Das eher betulich-langweilige Leben des Geschichtsprofessors Adam erfährt eine extreme Wendung, als er entdeckt, dass in einem älteren Independentfilm ein Mann mitspielt, der ihm aufs Haar gleicht. Um seinem Trott zwischen immer gleichen Vorlesungen, langweiligen Korrekturen und eher routiniert-lieblosem Sex mit seiner Freundin Mary zu entkommen, macht sich Adam auf die Suche nach seinem Doppelgänger. Zunächst beobachtet er den Fremden, der Anthony heißt, aus sicherer Distanz, bis er schließlich Kontakt zu ihm aufnimmt. Anthony reagiert zunächst überrascht und abweisend, stimmt aber schließlich zu, Adam zu treffen, denn der werdende Vater ist an Mary interessiert ...

Der kanadische Regisseur Denis Villeneuve inszeniert zweifellos einen bizarren Film, der mit seinem düsteren Hollywood-Debüt, dem Thriller "Prisoners" oder mit seinem Drama "Die Frau, die singt" nicht mehr viel gemein hat (außer vielleicht dem "Prisoners"-Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal). Das Ganze wirkt wie ein in Szene gesetzter Albtraum, der für den Träumer ebensowenig Sinn ergeben mag, wie dieser Film für manchen Zuschauer. Mit manchmal fast schon hypnotischen Bildern zieht Villeneuve den Betrachter in seinen dunklen Bann, verwirrt mit dieser Schizo-Story immer wieder aufs Neue und stolpert leider auch durch so manche Szene bis zum skurrilen offenen Ende. Das kommt dabei heraus, wenn ein Schriftsteller - in dem Fall Nobelpreisträger José Saramago ("Die Stadt der Blinden") - das Thema "Fremdgehen" als deftige Traumsequenz verarbeitet und ein Filmemacher dieses sehr frei interpretiert. Regisseur Villeneuve begab sich mit diesem kafkaesken Werk nicht nur auf die Spuren von zeitgenössischen Kollegen wie David Lynch und David Cronenberg, sondern auch auf das ungewöhnliche Kino des spanischen Surrealisten Luis Buñuel.



Foto: Capelight (Central)