Frankfurt, 1796. Auf Empfehlung seines Freundes Baron Isaac von Sinclair wird der junge Dichter Friedrich Hölderlin Hauslehrer in der Bankiersfamilie Gontard in Frankfurt. Bald verlieben sich er und die Hausherrin Susette ineinander. Der eifersüchtige Sinclair, der Hölderlin seit der Jenaer Studienzeit liebt, erfährt von dem Verhältnis und erzählt Gontard davon. Es kommt zum Streit, und Hölderlin muss das Haus verlassen, ohne zu wissen, wer ihn verraten hat. Materiell von Sinclair unterstützt, sind die folgenden zwei Jahre die produktivsten in Hölderlins Werk. Aber die öffentliche Anerkennung bleibt aus, der Literaturbetrieb wird von den Dichterfürsten Goethe und Schiller beherrscht. Gescheitert am Zeitgeschmack und der ihm, dem Künstler, eigenen Kompromisslosigkeit, geht Hölderlin ins freiwillige Exil nach Frankreich, in das Land seiner revolutionären Ideale. Als er Jahre später von der tödlichen Krankheit Susettes erfährt, eilt er sofort nach Frankfurt, kann die Geliebte aber nur noch tot in seine Arme schliessen. Hölderlin fällt in geistige Umnachtung und muss mit seinen 36 Jahren in eine Irrenanstalt eingewiesen werden. Er hat noch 37 Jahre vor sich, die Hälfte seines Lebens...

Friedrich Hölderlin (1770-1843) zählt zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern. In seinem Werk verband er gekonnt Klassik und Romantik, stand aber Zeit seines Lebens im Schatten von Goethe und Schiller. Regisseurin Nina Grosse, sonst eher Spezialistin für Krimis ("Tatort") und Psychothriller, nahm sich 1998 des oft verkannten Dichters an und inszenierte nach einem Buch von Susanne Schneider ("In einer Nacht wie dieser") diese beeindruckende gespielte und fotografierte Biografie. Besonders überzeugend: Martin Feifel in der Rolle des Hölderlin und Ulrich Matthes als Sinclair. Für sein tolles Spiel wurde Matthes 1999 mit dem Bayerischen Filmpreis als bester Darsteller ausgezeichnet, Egon Werdin wurde für den Deutschen Kamerapreis nominiert.