Berlin-Neukölln: Hier lebt Yehya, Sohn einer palästinesischen Familie, die einst aus dem Libanon nach Deutschland flüchtete. Der intelligente Einser-Schüler der ehemaligen Rütli-Schule hat einen ungewöhnlichen Traum: Er will ein großer Gangster werden. Schon früh kam Yehya, der "Boss von der Sonneallee", mit dem Gesetz in Konflikt, inzwischen gilt er als Intensivtäter und wurde im Alter von 17 Jahren zu drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.

Als Filmemacher Christian Stahl den seinerzeit 15-jährigen Yehya kennen lernte, ahnte er nichts von der kriminellen Energie des Sohnes seiner Nachbarn. Erst später erfuhr er davon. Fünf Jahre begleitete Stahl Yehya mit der Kamera (davon drei im Gefängnis) und zeichnet das Bild eines jungen Mannes, der auch heute noch zwischen den Kulturen steht und seinen Eltern, die gläubige Muslims sind, viele Sorgen bereitet. Denn auch die Brüder laufen in Gefahr, in Yehyas Fußstapfen zu treten. Stahl ist immer nah an seinem Protagonisten, der nicht unsympathisch, sondern charmant wirkt und sich seiner Situation durchaus bewusst ist. Doch Stahl zeigt auch die andere Seite Yehyas, wenn er davon spricht, wie er zum Besten der Besten in seiner Gang wurde und stolz verkündet, dass er einen eigenen Staatsanwalt habe. So entsteht das eindringliche Porträt eines jungen Mannes zwischen den Welten, der bis heute noch nicht seinen Platz in der Gesellschaft seiner Wahlheimat gefunden hat.



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