Kunduz, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Nordosten Afghanistan, ist seit dem Sturz der Taliban-Regierung 2001 ein Dauerthema in den Medien. Doch die Meldungen, die aus der Stadt und der Region hierzulande gezeigt werden, drehen sich in erster Linie um den immerwährenden Krieg und die Dauerpräsenz der internationalen Truppen. Im Vordergrund der Berichterstattung stehen die Einsätze der Schutztruppe ISAF, die außerhalb von Kabul ein Lager hat, aber auch die militärischen Aktionen von NATO, US- und afghanischen Streitkräften. Das Leben der dortigen Gesellschaft bleibt hinter einem Schleier und findet - zumindest für weite Teile der westlichen Medien - nur bedingt statt ...

Martin Gerner berichtet seit 2004 aus Afghanistan und ist dort außerdem als Ausbilder für Journalisten unterwegs. Er nahm die Chance wahr, die ihm seine engen Kontakte zur Bevölkerung boten, schaute hinter die militärischen Kulissen und gibt in seiner Dokumentation einen detaillierten Einblick in die afghanische Gesellschaft. Er begleitete fünf junge Afghanen in ihrem Alltag. Ein Leben, das längst zu einer Gratwanderung geworden ist. Denn die Bevölkerung arrangiert sich zwischen Taliban und ausländischen Militär und entwickelt sich nur sehr langsam zu einer offenen Gesellschaft. Der Regisseur zeichnet hier ein Bild, das weit entfernt von dem der Mainstream-Medien liegt. Das Ergebnis ist durchaus interessant.

Foto: Martin Gerner Filmproduktion