Iran, Anfang der Achtzigerjahre: Die islamische Revolution unter Ajatollah Chomeini ist noch im vollen Gange, als der humanistische Dichter Sahel Farzan wegen angeblichen Verrates zu Unrecht inhaftiert wird. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, dass er erst Jahrzehnte später freikommen wird. Als er schließlich 2010 entlassen wird, macht er sich auf die Suche nach seiner Frau Mina und seinen Kindern, denen schon vor langer Zeit mitgeteilt wurde, Sahel seit tot. Schließlich führt Sahel eine Spur in die türkische Metropole Istanbul, in dem Mina und die längst erwachsenen Kinder leben …

Nach der authentischen Geschichte eines iranisch-kurdischen Schriftstellers, der in der Öffentlichkeit unter den Pseudonym Sadegh Kamangar bekannt ist, inszenierte der im Exil lebende iranisch-kurdische Regisseur Bahman Ghobadi ("Zeit der trunkenen Pferde", "Schildkröten können fliegen", "Perserkatzen kennt doch keiner") dieses in atemberaubenden Bildern eingefangene wie bedächtig erzählte Drama, in dem er die Verfolgung von Künstlern im zeitgenössischen Iran thematisiert und dies mit der nicht allzu einfallsreichen Geschichte einer durch die Revolution getrennten Familie verknüpft. Ein besonderer Besetzungscoup gelang Ghodabi mit der Verpflichtung des Schauspielers Behrouz Vossoughi ("The Crossing"), der in seiner Heimat Iran eine ganze Generation von Filmschaffenden beeinflusste, seit den Siebzigerjahren als einer der ersten iranischen Schauspieler in internationalen Produktionen zu sehen war, und schließlich während der islamischen Revolution in die USA flüchtete. Die rassige Italienerin Monica Belucci weiß in der Rolle seiner Filmfrau Mina zu überzeugen, der schwedische Sänger und Schauspieler Arash Labaf, selbst persischer Herkunft, spielt den Sohn. Auf Filmfestivals gefeiert, ist "Gergedan Mevsimi - Jahreszeit des Nashorn" wie viele von Ghodabis Werken im Iran verboten.



Foto: Kinostar