Gertrud, die Frau eines Stockholmer Rechtsanwalts, will ihre in Konventionen erstarrte Ehe aufgeben. Als sie von ihrem Geliebten im Stich gelassen und auch von ihrem Jugendfreund enttäuscht wird, beschließt sie, ihr Schicksal allein in die Hand zu nehmen.

Der dänische Regisseur Carl Theodor Dreyer (1889-1968) gilt seit seinem Stummfilm "Die Passion der Jungfrau von Orleans" (1928) als einer der bedeutendsten Filmemacher. Der letze seiner fünf abendfüllenden Tonfilme war "Gertrud" (1964). Die Geschichte einer Frau, die sich aus den Zwängen ihrer großbürgerlichen Ehe zu befreien versucht, gestaltete Dreyer mit rigoroser Konzentration auf das Wesentliche. Der langsame Rhythmus, lange Einstellungen und das sparsame Dekor sorgten dafür, dass der Film bei seiner Premiere weitgehend auf Unverständnis stieß und die radikale Modernität dieses Meisterwerks erst nach Dreyers Tod wirklich begriffen wurde.