Mit "Jud Süß" (1940) inszenierte Regisseur Veit Harlan (1899-1964) den wohl gehässigsten und folgenreichsten Nazi-Hetzfilm. Folgenreich deshalb, weil das handwerklich geschickt gebaute, aber niederträchtige Machwerk SS-Horden vor ihren Einsätzen gegen Juden gezeigt wurde. Leider überhaupt nicht folgenreich für den Regisseur, der nach dem Krieg nicht nur ungestraft davonkam, sondern sein äußerst fragwürdiges Gedankengut auch noch in der Adenauer-Ära verbreiten durfte. Zwar wurde Harlan zweimal, 1949 und 1950, wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit angeklagt, doch da man ihm nie nachweisen konnte, dass er für die endgültige Schnittfassung von "Jud Süß" verantwortlich war, wurde er beide Male freigesprochen. Außerdem machte er geltend, bei Ablehnung des Regieauftrages wäre er selbst in Lebensgefahr geraten.

Dokumentarfilmer Felix Moeller erzählt hier die Geschichte dieses äußerst umstrittenen Regisseurs, dessen Filme die Mentalität unzähliger Zuschauer prägten und der auch nach dem Zweiten Weltkrieg seine Karriere fortsetzen konnte. In dem mit zahlreichen Filmausschnitten und erstmals gezeigtem Privatmaterial aus dem Familienarchiv montierten Film befragte der Regisseur die Söhne, Töchter und Enkel Harlans und zeigt das Schicksal der Familie in der Nachkriegszeit und den Einfluss der Vergangenheit auf das eigene Leben bis heute. Zu Wort kommen unter anderem Thomas Harlan ("Thomas Harlan - Wandersplitter"), der mit seinem Vater brach und sich erst am Totenbett wieder versöhnte, Harlans Tochter Maria Körber ("Verkauftes Land"), die den Namen ihres Vaters ablegte, und Harlans Nichte Christiane, die Witwe Stanley Kubricks.

Foto: Salzgeber