Henry Adler wirkt eigentlich wie ein vernünftiger, nachdenklicher Mann, der sein Leben im Griff hat. Der 31-jährige Single arbeitet als Bankangestellter und verfolgt zielstrebig eine bisher erfolglose Karriere als Schauspieler. Eines Morgens beobachtet Henry mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination, wie ein Polizist auf offener Straße niedergeschossen wird. Als er am selben Tag für den Part des harten, aber gerechten Streifenbeamten Flanagan in der reißerischen Fernsehserie "Crime Wave" vorspricht, hilft Henry sein Erlebnis und er erhält prompt die kleine Rolle. Angespornt vom Lob seiner hübschen Kollegin Charlie erarbeitet sich Henry mit der Leidenschaft eines Robert De Niro die Psychologie seiner Rolle. Eine aus dem Kostümfundus der Show entliehene Uniform trägt Henry fortan auch im Alltag und versinkt so immer mehr in seine Serienfigur, die ihn legitimiert, in einer gewalttätigen, korrupten Welt Zeichen zu setzen. Schließlich verschwimmen Realität und Fiktion...

Der Psychothriller von David Wellington, der als Regisseur für Fernsehserien ("The Hidden Room") oder die neue US-Erfolgsshow "Queer as Folk" die fiktive Welt seines Helden sehr genau kennt, nimmt sein Thema bemerkenswert ernst. Eher suggestiv als reißerisch, präzise in der Kameraführung und stilsicher im Detail, zeigt der Film, wie die Zeichen der Macht einem schwachen Charakter Kontur verleihen. Der kanadische Schauspieler Tom McCamus gibt diesem Porträt eines vereinsamten Menschen, der sich in eine beklemmende Fiktion zurückzieht, mit seiner sensiblen Darstellung bedrängend reale Züge.