Die "Perle der Karibik" wird sie gern genannt: Havanna, Hauptstadt der revolutionären Republik Kuba. Doch die Schönheit der Stadt ist längst von der Poetik der Ruinen geprägt. Und noch weniger poetisch ist die Stadt für diejenigen, die in den immer weiter verfallenen ehemaligen Prachtbauten ihr Leben fristen. Hauseinstürze mit Toten sind an der Tagesordnung. Für die Bewohner ist der Verfall der Stadt und ihrer Wohnhäuser eine ständige Quelle des Schmerzes und der Schuldgefühle...

Dokumentarfilmer Florian Borchmeyer nähert sich dieser spezifisch kubanischen Problematik behutsam, jedoch ohne falsche Scheu. Anhand der Schicksale von fünf betroffenen Bewohnern gelingt ihm ein stimmiges Porträt des zeitgenössischen Havanna, das bei den architektonisch interessierten Zuschauern so manches schweres Schlucken erzeugen dürfte. Denn was in der Hauptstadt so langsam aber sicher vor die Hunde geht, ist die eigene Geschichte mit Prachtbauten, die anderorts mit großem finanziellen Aufwand zu historischen Schmuckkästchen saniert würden. Sieht man den Obdachlosen Reinaldo, der in den Trümmern eines Theaters Unterschlupf gefunden hat, in dem einstmals Caruso vor der High Society sang, wird das ganze architektonische Fiasko der "Perle der Karibik" deutlich.

Foto: Raros Media