Marias Leben hat zweiundachtzig Jahre, einen Monat und elf Tage gedauert. Die Nachricht von ihrem Tod erreicht Hermann in der Nacht vor ihrer Beerdigung in München. Erst im Auto auf dem Weg in den Hunsrück übermannt ihn Schmerz. Schon am Tag vorher hat sich die übrige Simonfamilie in Schabbach versammelt. Selbst Paul, der, betreut von einer amerikanischen Nurse, die Welt bereist, wurde von Martha aufgestöbert. "Ihr Leben lang sind immer alle von ihr weggegangen, und jetzt, wo die Maria von uns gegangen ist, da sind alle gekommen", sagt sie angesichts der vielen schwarz gekleideten Menschen, die sich im Haus drängen ...

Regisseur Edgar Reitz ("Der Schneider von Ulm"), einer der geistigen Gründer des jungen deutschen Films, konzipierte mit dieser elfteiligen Familien- und Stadtchronik aus dem Hunsrück ein Ausnahmewerk der deutschen TV-Geschichte. "Heimat" ist eine Zeitreise durch die deutsche Provinz von 1919 bis 1982 und überzeugt nicht nur durch seine inszenatorische Dichte sondern auch durch das Spiel der durchgehend unverbrauchten Darsteller. Reitz' Regiearbeit erregte übrigens auch international großes Aufsehen und wurde unter anderem mit dem Ehren-Löwen in Venedig und dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet. Fortsetzungen, die die Geschichte des kleinen Hunsrück-Städtchens über 1982 hinaus bis in die heutige Zeit fort schrieben, entstanden 1988 mit "Die zweite Heimat" und 2004 mit "Heimat 3".

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