Er galt als absolute Nummer eins der Realsatire, seine surrealistischen Stegreifgeschichten sind Legende, doch heute erinnert sich kaum noch jemand an ihn: der Satiriker, Maler und Zeichner Heino Jaeger (1938-1997). In Hamburg geboren, gehörte Jaeger mit Joska Pintschovius, Michael Mau und anderen der Hamburger Anti-68er-Strömung an, laborierte unheilbar an Kriegserfahrungen und am kleinbürgerlichen Bedürfnis der Deutschen, die Nazizeit zu vergessen. Jaeger hatte eine gute Beobachtungsgabe und brachte das Charakteristische an der Persönlichkeit des Menschen mit dem Zeichenstift und der Stimme auf den Punkt. Darüber hinaus trat er als beißender Kommentator des Zeitgeistes und glänzender Hitler-Parodist auf und moderierte für den Saarländischen Rundfunk die legendäre Rundfunkreihe "Fragen Sie Dr. Jaeger". Doch seine Alkoholprobleme ließen ihn nicht los, nach mehreren Bränden - u.a. brannte sein komplettes Atelier aus - zog sich Jaeger Mitte der Achtzigerjahre in das psychiatrische Pflegeheim Bad Oldesloe zurück, wo er entmündigt 1997 nach einem Schlaganfall verstarb.

Dokumentarfilmer Gerd Kroske erinnert im dritten Teil seiner Hamburg-Trilogie (nach "Der Boxprinz" und "Wollis Paradies") an den heute fast vergessenen Satiriker, den Loriot einst als großen Humoristen bezeichnete und dessen Stehgreifgeschichten noch heute Vorbild für Olli Dittrichs "Ditsche"-Wochenrückblicke sind. Dennoch ist Heino Jaeger der wohl unbekannteste unter den großen deutschen Komikern, den Kroske in Gesprächen mit Zeitzeugen und mit vielen zeitgenössischen Ton- und Bild-Aufnahmen diese filmische Hommage widmet.



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