Kurz "Napola" wurden sie im Volksmund genannt, die "nationalpolitischen Erziehungsanstalten" (NPEA), in denen seit 1933 die künftige zivile Führungsschicht der Nationalsozialisten erzogen und herangebildet wurde. In den rund 40 Napolas, die bis 1945 in Deutschland und den besetzten Gebieten entstanden, herrschte Zucht und Ordnung, schon bei der Auswahl wurde mächtig gesiebt. Der ideale Schüler sollte rein arischer Herkunft und körperlich fit, dazu risikofreudig, überdurchschnittlich intelligent, nicht brav, sondern vom Charakter her eher rebellisch sein. Etwa 15000 Schüler wurden bis Kriegsende ausgebildet, Absolventen sind der ehemalige Herausgeber der "Zeit", Theo Sommer, der Literaturkritiker Hellmuth Karasek, der Dirigent Joachim Carlos Martini oder der ehemalige Justizminister Österreichs, Harald Ofner ...

Bereits Dennis Gansel beschäftigte sich 2004 in seinem sehenswerten Drama "Napola - Elite für den Führer" mit den NS-Erziehungsanstalten und erinnerte dabei an die mehr als fragwürdigen Erziehungsmethoden im nationalsozialistischen Deutschland unter der Diktatur Adolf Hitlers. Nun wählte das Regieduo Eduard Erne und Christian Schneider in "Herrenkinder" einen dokumentarischen Ansatz und lässt ehemalige Schüler wie Hellmuth Karasek zu Wort kommen, der den "Napola"-Schliff in der damaligen oberschlesischen Kreisstadt Lublinitz (heute das polnische Lubliniec) ertragen musste Exerzieren, Extremsport, Befehl und Gehorsam prägten nicht nur seinen Schulalltag, vielmehr war der militärische Drill das "pädagogische" Mittel. Doch auch wenn nach 1945 der ideologische Ballast von "Hitlers Recken" abgefallen ist und die ehemaligen Eliteschüler zu Demokraten geworden waren, hatten viele von ihnen schwer an ihrem Erbe zu tragen. Eduard Erne und Christian Schneider erzählen, wie sich die damaligen Erziehungsideale der Nazis bis in die heutige Generation hinein fortgesetzt haben. Kampfgeist und Durchsetzungswille gelten bei vielen ehemaligen Napola-Schülern immer noch als bleibende Tugenden - und das haben sie sogar an ihre Kinder weitergegeben.

Foto: Salzgeber

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