Als man der jungen Köchin Johanna kündigt, kehrt sie hoffnungslos in das Dorf Herzsprung zurück. Als sich jedoch ihr Mann nach seinem Bankrott zunächst seine unverkäuflichen Kühe und dann sich selbst tötet, scheint es für sie keine Chance mehr zu geben. Wäre da nicht ihr lebenslustiger Vater, der auf seine alten Tage noch Johannas Kollegin aus der Küche freit, wäre da nicht eine Freundin, die sie in das Friseurhandwerk einführt, und wäre da nicht eines Tages Manuel erschienen. Eine Reisebekanntschaft, kaffeebraun, schön und gelassen. Endlich die große Liebe, das große Glück. Aber genauso das Objekt von Aggressionen. Für die männliche Dorfjugend, alles Schulkameraden von Johanna, ist er "der Schwarze", "der Ausländer". Die Diffamierungen steigern sich bis zum Überfall auf Manuels Imbissstand an der Autobahn ...

Regisseurin Helke Misselwitz ("Engelchen"), Mitglied der Berliner Akademie der Künste und Professorin für Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam, fing in ihrem Spielfilm-Debüt die damaligen politischen und gesellschaftlichen Probleme im Osten Deutschlands schonungslos ein. Die Liebe einer Einheimischen - glaubhaft verkörpert von Claudia Geisler ("Der Tote im Spreewald", "Alphabet der Liebe") - zu einem Farbigen hat eine Chance, der Titel gebende Ort Herzsprung wird in den düstersten Farben gezeichnet, öde und plump sind die Neo-Nazis, die schließlich das tragische Ende verschulden. Das Gesellschaftsdrama wurde 1993 für den Deutschen Filmpreis nominiert.

Foto: ANIXE HD