"Ich bin kein Hasser", sagte Simon Wiesenthal (1908-2005), der Gründer des jüdischen Dokumentationszentrums in Linz (später in Wien), einmal. Der gebürtige Ukrainer, ein säkularer Jude, hatte den Holocaust überlebt. Aber 89 Mitglieder seiner und der Familie seiner Frau verloren ihr Leben. Mehr als sechs Jahrzehnte hat Wiesenthal der Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechern gewidmet. Er war Architekt, übte diesen Beruf nach dem Krieg aber nicht mehr aus. Was war die Triebkraft seiner Arbeit? Woher nahm er die Kraft, als seine Bemühungen über Jahre zur Erfolglosigkeit verdammt schienen? Es gelang ihm, weit über 1100 Nazi-Täter zu enttarnen und sich gegen die Verjährung der Naziverbrechen einzusetzen. Ihn schauten die Toten an, er war ein geachteter, unermüdlicher Mahner: Er analysierte den Holocaust, ging der Frage des Vergessens und Verzeihens nach und warnte vor dem aufkommenden Rechtsextremismus. Doch obwohl Nazi-Schergen wie Adolf Eichmann oder der KZ-Kommandant Franz Stangl ohne seine Hilfe wohl nie gefasst worden wären, greift die Bezeichnung "Nazijäger" zu kurz: Wiesenthal kämpfte ebenso gegen die These der Kollektivschuld wie gegen die Verdrängung. Als Opfer sowjetischen und nationalsozialistischen Terrors blieb er sein Leben lang wachsam gegen Ausgrenzung und Rassismus. Von der Politik ließ sich "das Gewissen der Nation" niemals vereinnahmen. So gipfelte seine Kritik am politischen Kuschelkurs gegenüber hochrangigen ehemaligen Nazis in seiner Wahlheimat Österreich in einer Auseinandersetzung mit Bruno Kreisky.

Regisseur Richard Trank gibt hier einen umfassender Einblick in das Leben von Simon Wiesenthal, dem berühmten Nazi-Jäger und Menschenrechtler. Dafür führte er Interviews mit langjährigen Mitarbeitern Simon Wiesenthals, Regierungsführern aus der ganzen Welt sowie Freunden und Familienmitgliedern, von denen viele noch nie vor einer Kamera über ihn gesprochen haben. Bisher unveröffentlichte Archivaufnahmen und Fotos ergänzen die Interviews. Wiesenthals einziges Kind, seine Tochter Pauline, tritt ebenfalls in "Ich habe euch nicht vergessen" auf und gibt ihr erstes Interview über ihre Eltern und deren fast 70 Jahre währende Beziehung.

Foto: polyband (24 Bilder)