Eigentlich wirkt er wie das lebende Abbild einer Comicfigur: Giulio Andreotti, wohl eine der schillerndsten Personen der italienischen Politik. Von relativ geringer Körpergröße und stets mit leicht gebückter Haltung auftretend, steuerte der Christdemokrat die Politik seines Landes wie kaum ein anderer: 25 Mal war er Minister, sieben mal sogar Premierminister. 29 Mal wurde er angeklagt, 29 Mal freigesprochen. Die einen nennen ihn ehrfurchtsvoll den "Fuchs“, die anderen verächtlich "Beelzebub". Stets völlig gelassen und undurchschaubar zieht er die Fäden seiner Partei, seiner Regierung, seines Landes, scheut nicht den Umgang mit der Mafia, mit der er nach Gutdünken paktiert. Doch geht es gegen ihn und seine Interessen, windet er sich wie ein Aal aus allen Anschuldigungen. Dass er auch den Tod seines Kollegen Aldo Moro zu verantworten hat, nagt an seinem letzten Rest Gewissen ...

Mit bemerkenswerten Bildern und einem grandiosen Toni Servillo in der Hauptrolle gelang Regisseur Paolo Sorrentino ein packendes Porträt eines Mannes, der gleichzeitig als Synonym für die Machtausübung in Italien steht. Hier wird als Rezept für den Erfolg zum einen seine Verschwiegenheit und zum anderen sein privates Archiv über Fehltritte seiner Gegner genannt. Das Ganze ist im Stil einer Polit-Farce angelegt, wechselt mitunter gekonnt zwischen Clownerie und Politthriller, und flechtet tragische Momente ein, um letztendlich die gesamte Politik als einen gefährlichen und äußerst korrupten Zirkus der Macht zu entlarven. Allerdings setzt Sorrentino (ähnlich wie etwa Oliver Stone in "John F. Kennedy - Tatort Dallas") viel Wissen voraus. Dennoch: für den Interessierten ein bitteres Vergnügen der Extraklasse!

Foto: Delphi