Ungarn im 19. Jahrhundert: Graf István Széchenyi stammt aus einer steinreichen und patriotischen aristokratischen Familie und ist vom Leben verwöhnt. In seinen jungen Jahren liebt Széchenyi alles Schöne und natürlich besonders schöne Frauen. Als er jedoch in den Zwanzigerjahren den harten und erbarmungslosen Alltag in seinem Heimatland erkennt, besinnt er sich auf seine patriotischen Pflichten. Széchenyi wagt es aber nicht, dem regierenden Habsburgerhof entgegenzutreten und so verdirbt er seine Beziehung zu Lajos Kossuth, Protagonist der radikalen Opposition. Zwar kann Széchenyi nach langem Ringen 1844 die Amtssprache Latein durch Ungarisch ersetzen, aber dann erreicht die Pariser Februarrevolution den Hof...

Regisseur Géza Bereményi zeigt in seinem opulent inszenierten Drama das Leben des ungarischen Grafen István Széchenyi (1791-1860, Todesursache: Selbstmord), der für sein Vaterland bis heute einer der größten Ungarn ist. Széchenyi war ein wahrer Reformer, der der seine Nation auf den Weg der bürgerlichen Entwicklung brachte. In seiner erfolgreichsten Zeit regte Széchenyi Flussregulierungen an, ließ die erste ungarische Steinbrücke (Kettenbrücke in Budapest) bauen, setzte die Dampfschifffahrt auf der Donau und dem Plattensee in Gang, machte die Seidenspinnereien heimisch und rief eine Dampfmühle ins Leben. Regisseur Bereményi zeugt dies in wunderbaren Bildern und auch die Schauspieler überzeugen durchweg. Ein großes Mank ist allerdings das Drehbuch, dass den Zuschauer ein ums andere Mal allein lässt, so dass dieser der Geschichte nur noch mit Mühe folgen kann, was passiert und warum es passiert. Besser wäre hier sicher gewesen, das ganze Leben Bereményis zu inszenieren, anstatt lose Episoden zu einem bruckstückhaften Ganzen zu vereinen.

Foto: Progress