1990 wurde Berlin durch den deutschen Einigungsvertrag wieder zur Hauptstadt, seit 1999 sind Regierung und Parlament wieder vor Ort. Mit den politischen Veränderungen einhergehend, hat sich die mit Abstand größte Stadt Deutschlands längst wieder zu einem Mittelpunkt von Kunst, Kultur und Architektur entwickelt, deren Anziehungskraft weiter steigt. So geht etwa Fotografin Beate Gütschow durch die Stadt und fotografiert ungewöhnliche Gebäude, die sie am Computer in visionäre Stadtlandschaften einfügt. Oder da ist die erfolgreiche Schauspielerin Angela Winkler, die mit ihrer Tochter Nele, die mit dem Down-Syndrom geboren wurde und inzwischen auf der renommierten Volksbühne spielt, seit Jahren in Berlin lebt.

Nach fast 30 erfolgreichen Jahren in Hollywood und der Zusammenarbeit mit namhaften Regisseuren wie Martin Scorsese, Francis Ford Coppola und vielen anderen kehrt Michael Ballhaus in seine Heimatstadt Berlin zurück. Gemeinsam mit Co-Regisseur und Kameramann Ciro Cappellari ("Sehnsucht", "Mörderinnen", "Semana Santa", "Aprilkinder") versucht er den Geist von Berlin aufzuspüren, doch meist bleiben die Gespräche reichlich oberflächlich, kaum jemand will private Dinge preisgeben. Die Bilder sind - was erwartet man anderes von zwei erfahrenen Kameramännern - gelungen, doch der Berliner Bürger, der "Otto Normalverbraucher" bleibt hier außen vor. Vielmehr scheint es dem Regieduo eher darum gegangen zu sein, ein "Who is who" der Berliner Polit-, Kultur- und Gesellschaftsprominenz zu bebildern. Dabei geht allerdings die Bodenhaftung und die Natürlichkeit verloren. Schade!



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