Die 40-jährige Witwe Jeanne Dielman lebt allein mit ihrem 16-jährigen Sohn Sylvain. Der Alltag der einsamen Frau ist von den üblichen Routinen der Hausarbeit gekennzeichnet und perfekt durch organisiert. Lediglich ihr kleiner Nebenjob ist außergewöhnlich, denn Jeanne arbeitet als Gelegenheitsprostituierte. Als sie bei einem dieser Jobs einen Orgasmus hat, ist dies der Anfang vom Ende ihres geregelten Lebens ...

Die belgische Regisseurin Chantal Akerman ("Eine Couch in New York", "Die Gefangene") taucht in diesem minimalistischen wie feministischen Psychokrimi, den sie nach ihrem eigenen Buch inszenierte, in das von Routine geprägte Leben einer einsamen Frau. Über den Zeitraum von drei Tagen schildert Akerman alltägliche Situationen und Strukturen, von denen ihre Protagonistin keine Abweichung erlaubt. Doch am Ende des dritten Tages führen kleinste Störungen und Irritationen zur Eskalation: die Frau begeht einen Mord. In der Hauptrolle glänzt die im libanesischen Beirut geborene Delphine Seyrig, die im Oktober 1990 im Alter von nur 58 Jahren an Lungenkrebs starb. Berühmt wurde die Charakterdarstellerin mit dem Melodram "Letztes Jahr in Marienbad", danach war sie in so unterschiedlichen Werken wie "Geraubte Küsse", "Die Milchstraße", "Der diskrete Charme der Bourgeoisie", "Der Schakal" und "Liebe Unbekannte" zu sehen.

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