Hinter dem zitathaften Titel verbirgt sich die allbekannte Geschichte von Kaspar Hauser, der als Findelkind von rätselhafter Herkunft in die Geschichtsbücher des 19. Jahrhunderts eingegangen ist und dessen geheimnisvolles Leben und Sterben zahlreiche Dichtungen - von Karl Gutzkow bis Peter Handke - angeregt hat. Die Gerichtsakte weiß zu vermelden, dass am 26.5.1828 ein junger Mensch, etwa im Alter von 16 Jahren, in Nürnberg auftauchte, sich Kaspar Hauser nannte und berichtete, dass er sein ganzes Leben allein in einem dunklen Raum zugebracht habe. Er starb fünf Jahre später, am 14.12.1833, an den Folgen einer Verletzung, die ihm ein Unbekannter mit einem Messerstich in die Brust beigebracht hatte.

Dem Filmemacher Werner Herzog geht es nun nicht um eine bloße filmische Aufbereitung der Historie. Die äußeren Daten und Fakten des Falles werden nur soweit mitgeteilt, dass eine Orientierung in der Historie gerade möglich wird. Herzog interessiert sich auch nicht für den kriminologischen oder zeitkritischen Aspekt des mysteriösen Falles. Ihn interessiert an Kaspar der Mensch, der sein Lebtag in einem Kellerloch eingesperrt war, der zu dem Zeitpunkt, da er mitten in der fränkischen Stadt ausgesetzt wird, nicht weiß, was ein Haus, ein Baum, was Sprache ist, der keine Vorstellung von menschlicher Kultur, keinen Begriff von der Welt hat. Ihn interessiert, wie erfährt ein Mensch die Welt, jemand, der bis ins Erwachsenenalter hinein in absoluter Isolation gehalten wurde und bar jeder Erfahrung und jeden Wissens ist. Der Film wurde bei den Filmfestspielen 1975 in Cannes mit drei Preisen ausgezeichnet: dem Großen Sonderpreis der Jury, dem Preis der Internationalen Filmkritikervereinigung FIPRESCI und dem Preis der Ökumenischen Jury.