Halle-Neustadt in Sachsen-Anhalt: Hier lebt Jeanette, Mutter dreier Kinder, mit Guido. Beide fahren Bus, einst Jeanettes großer Traum. Ihr ältester Sohn Tommy ist inzwischen 15 Jahre, so alt wie seine Mutter, als sie mit ihm schwanger wurde, in der siebenten Klasse, im neunten Schuljahr. Er sitzt im Klassenraum vor seinem Lehrer. Er will einen Antrag auf Verlängerung seiner Schulzeit stellen. Er weiß nicht, warum: "Ich denk mir was aus."

Bereits 1992 porträtierte Regisseur Thomas Heise ("Vaterland") in "Stau - jetzt geht's los" Jugendliche aus Halle-Neustadt, die als rechtsradikal galten und sich selbst auch so definierten. Der Film ging der Frage nach, wer die Menschen hinter dieser ideologischen Festlegung sind. 1999 folgte die Fortsetzung "Neustadt Stau - der Stand der Dinge", in der er die Entwicklung der damaligen Jugendlichen und die ihrer Eltern durchschaubar machte - in ihrer Brüchigkeit, aber auch in ihrer Kontinuität. Nun reiste Heise erneut nach Sachsen-Anhalt und beobachtete seine damaligen Protagonisten mit der Kamera, befragte sie zu ihren Lebensentwürfen, Träumen und Wünschen. In ruhigen Schwarzweiß-Bildern zeichnet er so das Bild einer ganzen Region sowie der Lebensumstände seiner Hauptfiguren, die er dabei nie bloßstellt.

Foto: GMfilms