Christoph Schlingensief war einer der außergewöhnlichsten Künstler Deutschlands, ein Multitalent, das provozierte und polarisierte wie kein anderer. Schon als Kind war Schlingensief mit Afrika-Spardosen und Patenschaften am missionarischen Engagement der katholischen Kirche beteiligt. Jahrzehnte später konnte er schließlich seine eigene erwachsene Vision verwirklichen: Ein Festspielhaus auf dem afrikanischen Kontinent, genauer in Burkina Faso. Ein Projekt, das - so Schlingensief - nicht moralisch und erst recht nicht missionarisch motiviert war, eher einen künstlerischen Hintergrund hat. Gemeinsam mit dem aus Burkina Faso stammenden Architekten Francis Kéré plante er ein Festspielhaus, das angelegt ist als ein ganzes Operndorf, eine Begegnungs- und Produktionsstätte für afrikanische und europäische Künstler, offen für alle Bevölkerungsgruppen und allen gewidmet dem ästhetischen Bildungstrieb, grenzenlos und frei. Kein Bayreuth soll es sein, aber ein Geamtkunstwerk, kein reines Opernhaus aber ein Ort der Transzendenz im Alltag, mit Bühne, Probebühnen und einer Schule, die neben dem normalen Unterricht zwanglos und spielerisch Musik und Videofilme anbietet. Krankenstation, Hotel, Kirche und Großküche sollen folgen. Einem Kunstprojekt, durchaus im Sinne des erweiterten Kunstbegriffs von Joseph Beuys, der Projekte dieser Art "Soziale Plastik" nannte.

TV-Journalistin und Filmemacherin Sibylle Dahrendorf hat den im August 2010 verstorbenen Schlingensief jahrelang mit der Kamera begleitet, man denke nur an "Scheitern als Chance" (1999), "Deutschland, deine Künstler" (2009) und "Christoph Schlingensief - Die Angst vor dem Fremden in mir" (2011). In ihrem Dokumentarfilm lässt Dahrendorf die Geschichte Schlingensiefs und die seines großen Traums, die Errichtung eines Operndorfes in Afrika, noch einmal Revue passieren. Dahrendorf hat Schlingensief zwischen 2009 und 2010 in Burkino Faso beobachtet, zeigt ihn aber auch bei der Vorstellung von Via Intoleranza in der Kampnagel Fabrik in Hamburg im Mai 2010. Die Erfüllung seines großen Traums hat Schlingensief leider nicht mehr miterlebt, sein Tod überraschte auch das Filmteam. Trotzdem hat Dahrendorf ihr Werk vollendet, ebenso wie in Burkina Faso die Arbeiten weitergeführt wurden. Zwar ruhte die Baustelle zwischen Juli 2010 und März 2011, doch dann wurde weiter gebaut und im Oktober 2011 schließlich die Schule eröffnet, als nächstes soll die Krankenstation folgen. Schlingensief ist tot, aber sein Traum lebt weiter!





Foto: Filmgalerie 451

ww.operndorf-afrika.com/de/startseite.html Mehr zum Thema "Operndorf Afrika"