Im mittelamerikanischen El Salvador beherrschen zwei Banden, die "Mara Salvatrucha" und die "Mara 18", seit Jahrzehnten die Armutsviertel und weiten ihre Macht immer mehr aus. Rund 14000 Jugendliche ohne familiären Rückhalt finden in den Gangs ihre neue Familie. Gewalt ist an der Tagesordnung, immer wieder sind Tote zu beklagen, da sich die Banden gegenseitig bekämpfen. Zwar greift die Polizei hart durch, doch gegen die Gangs sind sie nahezu machtlos.

2002 thematisierte das Regieduo Fernando Meirelles und Katia Lund in seinem verstörendem Drama "City of God" das gewalttätige Leben in den Slums von Rio de Janeiro. Einen ähnlichen, wenn auch dokumentarischen Ansatz wählte der Filmemacher Christian Poveda, der für seinen beeindruckenden Dokumentarfilm mehr als ein Jahr unter Mitgliedern der Mara 18 verbrachte, um ihren von Gewalt, Armut und Überlebenskampf geprägten Alltag in El Salvador zu zeigen. "Wir müssen versuchen zu verstehen, warum 12- oder 13-jährige einer Gang beitreten und ihr Leben für sie opfern", sagte Poveda einmal in einem Interview. Kommentarlos tauchte Poveda dafür in eine für europäische Verhältnisse kaum nachvollziehbare Welt ein, erarbeitete sich das Vertrauen der Gang-Mitglieder, die sich bereitwillig für sein Ausnahmewerk zur Verfügung stellten. Dass seine Arbeit äußerst riskant war, wusste Poveda, der am 2. September 2009 bei Dreharbeiten für die Fortsetzung von "La Vida Loca" (auf deutsch: Das grausame Leben) in Tonacatepeque mit mehreren Kopfschüssen von Unbekannten getötet wurde.



Foto: Christian Poveda