Edith Piafs Kindheit war alles andere als rosig: Von der Mutter zur Großmutter abgeschoben, holt sie der Vater zu sich, um sie zu seiner Mutter zu bringen, die in der Normandie in einem Bordell arbeitet. Nach einer langwierigen Augenerkrannkung folgt sie dem Vater, der seinen Lebensunterhalt als Straßenkünstler verdient. Hier merkt Edith bald, dass ihre Lieder gut ankommen. Als Erwachsene kann sie aber nur spärlich Geld mit ihrer Sangeskunst verdienen. Doch schließlich entdeckt sie ein Mentor, der ihre Karriere schnell mächtig in Gang bringt. Als La Môme Piaf (Kleiner Spatz) wird sie bald über die Grenzen Paris’ hinaus bekannt. Doch tragische Schicksalsschläge führen zu übersteigertem Alkoholkonsum und Drogenmissbrauch. Diese Exzesse fordern ihren Tribut...

Eines vorweg: Hauptdarstellerin Marion Cotillard bietet in diesem Biopic über Edith Piaf eine der wohl bemerkenswertesten Leistungen der letzten Jahre (wofür sie den Golden Globe und den Oscar erntete). Doch Regisseur Olivier Dahan ("Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse") war wohl für dieses Projekt der falsche Mann. Darsteller, Dekor und Ausstattung stimmen, aber die Inszenierung mit Wackelkamera und vor allem der wüste Schnitt schmälern das Vergnügen sichtlich. Dahan springt wild in den Zeitebenen, hakt mehr oder weniger alle wichtigen Stationen im Leben der Piaf ab (einige Szenen plätschern dahin, andere wirken abgehetzt) und entwickelt keinerlei Gespür für die enorme Präsenz der Sängerin. Einem unbedarften Publikum wird so nur schwer klar, was an dieser Chanson-Sängerin nun so Besonderes war. Warum die Künstlerin so wurde, wie sie war, kann man erst am Ende des Films erahnen.

Foto: Constantin