Pierre ist ein typischer Kleinstadt-Casanova, der immer gleich mehrere Freundinnen hat. Aber ausgerechnet der etwas spröden, wohlerzogenen Florence gelingt es, ihn vor den Altar zu schleppen. Dafür bietet sie Pierre ein bequemes Leben und eine ausgezeichnete Position in der Firma von Papa. Die beiden arrangieren sich sehr gut in der Ehe und führen ein zwar langweiliges, aber harmonisches Leben im Haus der Schwiegereltern. Alles könnte so schön weiter gehen, wäre da nicht Pierres Midlifecrisis, die ihn am Eheleben zweifeln lässt und seine neue, bezaubernde Sekretärin Agnes ...

Die Talente des 1928 geborenen, heute nahezu vergessenen Franzosen Pierre Étaix sind breit gestreut: Er war Clown, Zauberer, Musiker, Varieté-Künstler, Grafiker, Autor sowie Regisseur und Schauspieler. Seinen vierten Spielfilm, die Komödie "Le grand amour - Wahre Liebe rostet nicht", setzte er 1968 nach einem Drehbuch, das er mit seinem Förderer Jean-Claude Carrière ("Die Kontroverse von Valladolid", "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins", "Der diskrete Charme der Bourgeoisie") geschrieben hatte, in Szene und übernahm auch die Hauptrolle des Casanovas Pierre. Mit feinem Gespür für jedes noch so kleine Detail zeigt Étaix, der seine Frau Annie Fratinelli in der Rolle der Florence besetzte, die Routine des alltäglichen Ehelebens ebenso wie die Träume und Wunschvorstellungen des bürgerlichen Ehemannes, der sich nach Jugend und wilden Abenteuern sehnt. Dabei stellt er seine Protagonisten nie bloß, sondern wirbt mit viel Humor um das Verständnis für eben jene Träumereien und Versuchungen, denen wohl jeder einmal in seinem Leben ausgesetzt ist. Bereits der große Jacques Tati hatte zehn Jahr zuvor die genaue Beobachtungsgabe und den ausgeprägten Sinn für Pointen von Étaix erkannt und ihn als Regieassistent für sein mit dem Oscar ausgezeichneten Klassiker "Mein Onkel" verpflichtet. Und Woody Allen, der später ähnlich gelagerte Werke drehte, betonte immer wieder, welch großen Einfluss Étaix auf ihn ausgeübt habe. Allerdings fühlte sich Étaix, der 1969 für sein Werk für den Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Cannes nominiert worden war, von der Filmbranche unverstanden und kehrte ihr den Rücken. 1973 gründete er mit seiner Frau die erste französische Zirkusschule.

Foto: arte F