Das Haus von Monsieur Hulots Schwester ist mit allerlei modernsten technischen Spielereien ausgestattet. Ihr notorisch ungeschickter Bruder bringt bei jedem Besuch alles mächtig durcheinander. Nur sein kleiner Neffe Gérard findet bei Monsieur Hulot jene Wärme und lebenswichtige Portion aus Humor und Geborgenheit, die er im kalten, dafür aber perfekt gestylten Elternhaus vermisst ...

Dieser Komödien-Klassiker des skurrilen Humors von und mit Jacques Tati ist eine herbe Satire auf den "New Lifestile" im technisierten Zeitalter. Hier bekommt die Möchtegern-High Society ihr Fett weg. Neun Monate dauerten die Dreharbeiten zu "Mein Onkel", ein Jahr der Schnitt und die Tonbearbeitung. Das zeigt die Sorgfalt und Exaktheit, mit der Jacques Tati seinen dritten Spielfilm inszenierte. Er ist eine Komposition aus Farben, Tönen, Musik und Bewegungen. Seine Komik entsteht aus Kontrasten. Die pittoreske, nie ganz sichtbare, kleinbürgerliche Welt Hulots steht der hellen, durchsichtigen, modernen der Arpels gegenüber. Komik resultiert auch aus dem Umgang mit der modernen Technik. Die elektronisch gesteuerten Garagentore etwa sperren die Arpels ein, wenn ein Hund durch die Lichtschranke spaziert. Haushaltsgeräte verrichten ihre Arbeit selbstständig, wie von Geisterhand bedient. Hulot mit seiner unbekümmerten Neugier indes bringt immer wieder die reibungslosen Abläufe durcheinander und führt damit die Tücken - und gelegentliche Nutzlosigkeit - der modernen Technik drastisch vor Augen. Der Film erhielt einen Oscar und den Spezialpreis der Jury in Cannes.

Foto: Universum