Im Jahre 1622 wird Jean-Baptiste Poquelin in Frankreich geboren. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, in der die alten Vorstellungen der Kirche mehr und mehr unter Beschuss geraten. Der aus einer vermögenden Familie kommende Junge verbringt seine Tage beim Spielen mit den ärmeren Kindern. Mit dem Großvater erlebt er auf dem Jahrmarkt die Welt der Gaukler und der italienischen Komödianten. Der Vater, ein königlicher Tapezierer und Polsterer, möchte den Sohn in seine Fußstapfen treten sehen. Wichtigste Bezugsperson für Jean-Baptiste ist die Mutter, um deren Gunst er mit den Geschwistern kämpft. Als Jean-Baptiste zehn Jahre alt ist, stirbt die Mutter. Den Ansprüchen des strengen Vaters zu genügen, fällt dem Jungen schwer. Schließlich entschließt er sich zum Jurastudium. In Orléans, als beim Karnevalsumzug der Studenten eine Revolte blutig niedergeschlagen wird, flieht er in ein Theater. Dort entdeckt er seine Liebe zur Schauspielerei und zur schönen Madeleine Béjart. Sehr zum Leidwesen seines Vaters bricht Jean-Baptiste das Studium ab und gründet 1643 gemeinsam mit der Familie Béjart das "Illustre Théâtre". Fortan zieht er so als Schauspieler, der sich mittlerweile Molière nennt, durchs Land ...

"Molière", 1977 von der französischen Theaterregisseurin Ariane Mnouchkine ("1789") inszeniert, ist eine einzigartige Mischung von Kino, Pantomime, Theater, Zirkus und Oper. Ein "grand spectacle", wie die Franzosen es so treffend bezeichnen. Und natürlich ist es ein Film über einen der größten Schauspieler und Theaterautoren Frankreichs, über sein Leben und Wirken. Genauso aber ist das ein Film über die geistig-kulturelle und politische Situation Frankreichs im 17. Jahrhundert und über die Entwicklung seiner Theaterlandschaft von den umherziehenden Artisten und Spaßmachern auf den Volksbühnen der Jahrmärkte zu den etablierten Schauspielertruppen der höfischen und städtischen Bühnen. "Einer der schönsten Filme, die je über Theater gedreht wurden," schrieb seinerzeit "Der Spiegel".

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