Die verwitwete Diane ist mit der Erziehung ihres 15-jährigen Sohnes Steve völlig überfordert. Denn der Junge leidet an ADHS. Das heißt, dass seine Energie ungebündelt zu schier endlos scheinendem Tatendrang führt. So flog er gerade aus dem Internat. Dort hatte er in der Cafeteria einen Brand gelegt.

Weil Steve sich trotz Medikamenten nicht zu zügeln weiß, führt sein aufgekratztes Verhalten oft zu Gewalttätigkeiten gegenüber der Mutter. Die dadurch eingeschüchterte Diane schöpft erst wieder Hoffnung, als mit der stotternden Kyla eine neue, mysteriöse Nachbarin mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn in die Wohnung nebenan einzieht.

Nach ersten Annäherungen glaubt Diane schließlich in Kyla eine verständnisvolle Freundin gefunden zu haben und hofft auf deren Unterstützung ...

Es fehlt am perfekten Timing

Der kanadische Independent-Jungspunt Xavier Dolan (Jahrgang 1989) hat sich inzwischen als Regisseur gesellschaftskritischer Werke einen Namen gemacht und gilt für viele Kritiker als Wunderkind. Bei genauer Betrachtung jedoch fällt auf, dass es dem Filmemacher noch an vielen Fähigkeiten mangelt. Denn auch diesem Werk fehlt es leider häufig am perfekten Timing.

Die Story über die Mutter und deren Schwierigkeiten mit ihrem hyperaktiven Sohn ist durchaus interessant, krankt aber an der Länge, an den oft unausgegoren wirkenden Szenen, die entweder zu knapp oder viel zu lang sind.

Emotionale Wucht

Wer sich aber dennoch auf das sensible Beziehungschaos einlässt, wird mit schauspielerischen Glanzleistungen belohnt. Der ein oder andere mag sich auch über das quadratische 1:1-Format wundern. Dies aber wählte Dolan absichtlich, bringt es doch die Enge des Beziehungsgeflechts der drei Hauptfiguren noch deutlicher zum Ausdruck und verstärkt die emotionale Wucht der Geschichte dadurch extrem.