Im kleinen Vogesen-Ort Lépanges erhält Jean-Marie Villemin im Oktober 1984 anonyme Anrufe und Botschaften, die seine Frau, Christine, und seinen kleinen Sohn Grégory bedrohen. Am 16. Oktober verschwindet der vierjährige Grégory. Die Suchmannschaften finden ihn kurze Zeit später leblos in einem Fluss. So beginnt die "Affäre Villemin", die im Laufe der nächsten Monate und Jahre ganz Frankreich aufrütteln und spalten wird. Binnen kürzester Zeit überschwemmen Journalisten den Ort des Geschehens. Die Eltern Christine und Jean-Marie drohen, an dem seelischen Druck zu zerbrechen. Der unerfahrene junge Richter Bertrand nimmt die Ermittlungen auf. Schriftexperten machen schnell einen Verdächtigen aus, der anonyme Briefe geschrieben haben soll: Bernard Longuet, ein Cousin Jean-Marie Villemins. Von der Polizei befragt, sagt Longuets Schwägerin Brigitte Keller gegen ihn aus...

Der 1953 auf Haiti geborene Raoul Peck ("Immer wieder im April") macht hier auf mitreißende Weise eine menschliche Tragödie nachfühlbar und hinterfragt ein allgegenwärtiges Phänomen: Dass die Affäre Villemin noch heute in den Köpfen vieler Franzosen ist, zeigt die besondere Rolle der Journalisten bei der Ermittlung von Verbrechen. Dürfen sensationsgierige Journalisten die Justiz beeinflussen, indem sie sich in die Ermittlungen einmischen?