18.00 Uhr. Abenddämmerung, Druckhaus des Süddeutschen Verlages am Stadtrand von München. Die Nachtschicht hat begonnen. Langsam beginnen die Förderbänder zu rattern, in verschiedenen Tonlagen, unregelmäßig. Die Geräusche steigern sich, bis auch die schweren Trommelmaschinen ihren Rhythmus gefunden haben. Ernst Günl, Willi Randlhofer und Olga Miefanger arbeiten in der Packerei des Druckhauses. Bis um drei Uhr am Morgen stehen sie im lauten Rattern der Förderbänder. Schon seit unzähligen Jahren. Aufgrund von Umstrukturierungen werden sie jedoch mit vielen anderen KollegInnen in den Frühruhestand geschickt. Die Chronik eines angekündigten Todes aus der Bundesrepublik: Der als "Rationalisierung" maskierte Personalabbau ist alltäglich, die mikroökonomischen Maßstäbe der jungen Anzugträger und das alltägliche Newsspeak der Ökonomie haben die Köpfe kolonisiert.

Alexander Riedel hat die drei langjährigen Mitarbeiter während ihrer letzten Arbeitstage begleitet. Dabei gewinnt man einen lebhaften Eindruck von den Menschen, und wie deren Leben vom Rhythmus der Nachtarbeit geprägt ist. Das bevorstehende Ende des Arbeitslebens bietet immer wieder einen Anlass, in vielen kleinen Geschichten über die Veränderungen der Arbeit wie auch des Lebens zu erzählen - und von den Plänen der drei nach der letzten Arbeitsnacht. Dabei überzeugt "Nachtschicht" durch die genaue, einfühlsame Zeichnung der porträtierten Menschen wie auch durch eine dichte und emotionale Bildsprache.

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