Hamburg 1935. Der neunjährige Hans-Jürgen ist das einzige dunkelhäutige Schulkind im Arbeiterbezirk Barmbek. Seine frühe Kindheit verbrachte er in der Villa seines Großvaters, Momolu Massaquoi, ein liberianischer Konsul, der in seine Heimat zurückkehren musste. Seinen Vater hat Hans-Jürgen nie gesehen, nur eine Klarinette ist ihm als Andenken geblieben. Bald ist der Kleine als "Nicht-Arier" mehr und mehr den Repressalien der Nazis ausgeliefert. Doch er merkt auch, dass neben seinen Freunden viele ihre Menschlichkeit nicht aufgegeben haben...

Nach der Autobiografie von Hans-Jürgen Massaquoi inszenierte Jörg Grünler ("Die Rückkehr des Vaters", "Der zehnte Sommer") einen packenden TV-Zweiteiler, der eindrucksvoll ein ungewöhnliches, deutsches Schicksal schildert. Überzeugend sind vor allem die Darsteller und das hervorragend eingefangene Zeitkolorit. Allerdings sind einige Szenen arg lang geraten, hier hätte einiges gestrafft werden können. Auffallend sind auch die recht großen Zeitsprünge. Der 1926 in Hamburg geborene Hans-Jürgen Massaquoi siedelte übrigens nach dem Krieg in die USA über und wurde US-Staatsbürger. Viele Jahre arbeitete er als Chefredakteur der afroamerikanschen Zeitschrift "Ebony" und interviewte international bekannte Zeitgenossen wie Muhammad Ali, Martin Luther King oder Malcom X. Er lebte bis zu seinem Tod (2013) in Florida.

Foto: ZDF/Astrid Wirth