Das Wismar des 19. Jahrhunderts und Transsylvanien sind die Schauplätze dieser schauerlich traurigen Geschichte: Langsam umschließen die kalten, knochigen Finger von Klaus Kinski den Hals des schlafenden Opfers Isabelle Adjani. Die Zeit drängt, die Nacht ist kurz, und man weiß: Nosferatu ist dazu verdammt, beim ersten Hahnenschrei zu Staub zu zerfallen ...

Ein Meisterwerk des jüngeren deutschen Films - ja, auch das gibt es. Klaus Kinskis Nosferatu ist eine tragische Figur und menschelt mehr durch neobarocke Bühnenszenerien als dass er geistert. Ein Film wie ein Gemälde: schwere Samtvorhänge, blutleere Gesichter, aschfahl. Isabelle Adjani und Bruno Ganz spielen auch mit in dieser Dracula-Version, die sich am ehesten an den Initiationsfilm dieser Art, an Murnaus "Nosferatu - Symphonie des Grauens" von 1921, anlehnt. Von ihm übernimmt der Regisseur Werner Herzog auch das Motiv der Ratten, die Europa mit der Pest verseuchen. Eine schauerliche Invasion, auf die Stokers Original verzichtet.

Foto: Werner Herzog/München