Als der gealterte Junggeselle Seligman eines Winterabends zufällig die bewusstlose, offenbar zusammengeschlagene Joe in einer Seitenstraße findet, nimmt er die Frau mit zu sich und pflegt sie. Schon bald fühlt sich die Schwerverletzte bei Seligman relativ wohl und erzählt dem Fremden ihre Lebensgeschichte. Sie bezeichnet sich selbst als Nymphomanin, denn schon als Kind hat sie die sexuelle Lust entdeckt und bereits als 15-Jährige ihre Jungfräulichkeit bewusst verloren. Auch als junge Erwachsene macht sie sich etwa gemeinsam mit ihrer Freundin einen Sport daraus, es während einer Zugfahrt mit möglichst vielen Männer zu treiben. Später nimmt sie den Job einer Sekretärin an und trifft ausgerechnet auf jenen Mann, der sie einst entjungferte. Der Beginn eines ganz besonderen Verhältnisses ...

Und wieder ein Film von Lars von Trier, der seine skandalösen Schatten vorauswarf, zumal von Trier kundtat, endlich mal einen "echten Pornofilm" zu inszenieren. Doch was der Regisseur hier bietet, ist schlicht schiere geschwätzige Langeweile, bei der lediglich erstaunlich ist, welche Schauspieler sich für die dargebotenen Plattitüden zur Verfügung gestellt haben. Und explizite Sexszenen machen das Ganze nicht besser - im Gegenteil. Inhaltlich ist das zweiteilige Werk (Nymphomaniac 2 startete im April 2014 in den Kinos) durch die Rahmenhandlung und den Schauspielerwechsel (die farblose Stacy Martin als junge Joe bzw. Charlotte Gainsbourg) unterteilt, schafft es aber nie, einen für die dahinplätschernde und völlig erotikfreie Geschichte einzunehmen. Provokation an sich reicht nun mal nicht aus und der Vergleich vom Sex mit Angelsport ist auch eher peinlich. Wenn man dann noch erfährt, dass auf Festivals eine Fünfeinhalb-Stunden-Fassung des vierstündigen Zweiteilers gezeigt wurde, packt einen das wahre Grauen! Wann werden Filmemacher endlich aufhören, sich im Unglück oder einer Krankheit (in diesem Falle Nymphomanie) ihrer Protagonisten zu suhlen, damit gutbürgerliche Pseudo-Intellektuelle sich freuen können, wie gut es ihnen geht.



Foto: Christian Geisnaes