In der Ecke eines Kleinbusses sitzt in sich versunken ein Junge. In Teheran herrscht Volksfestimmung, die Massen strömen ins Azadi-Fußballstadion. Dort findet das WM-Qualifikationsspiel Iran gegen Bahrain statt. Doch das Äußere des Knaben täuscht, unter den Jungenkleidern versteckt sich ein junges Mädchen. Sie ist ein großer Fußballfan und will unbedingt das Spiel sehen. Dummerweise jedoch ist Frauen im Iran der Zugang zu den Stadien strengstens verboten. Es kommt, wie es kommen muss: Am Eingang wird sie bei einer Leibesvisitation festgenommen und zu einer Umzäunung in der Nähe des Stadions gebracht. Sie ist nur eine von vielen. Hier trifft sie auf eine ganze Gruppe fußballbegeisterter junger Frauen, die sich ebenfalls als Männer verkleidet haben und auf ihren Abtransport zur Sittenpolizei warten...

Bereits in seinem preisgekrönten Drama "Der Kreis" (2000) beschäftigte sich der iranische Regisseur Jafar Panahi - ehemaliger Regieassistent von Abbas Kiarostami - mit der Stellung der Frauen in der iranischen Gesellschaft. Und in dieser haben bis heute Frauen in Fußballstadien nichts zu suchen. Seine Protagonistinnen sind allerdings keine Freiheitskämpferinnen, vielmehr einfach weibliche Fußballfans und stolz auf ihre Mannschaft. Seine Komödie hat Panahi während des laufenden Spiels in Szene gesetzt und es macht Spaß, den durchweg frisch aufspielenden Laiendarstellerinnen bei ihrem realistischen Spiel zuzuschauen. "Offside" wurde auf der Berlinale 2006 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Im Dezember 2010 wurde der Regisseur wegen angeblicher "Propaganda gegen das System" zu sechs Jahren Gefängnis und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt, was zu weltweiten Protesten gegen das Regime im Iran und internationalen Solidaritätsadressen an den Regisseur führte. Bis zum Ende seines Berufungsverfahrens ist Fahani auf freiem Fuß, darf aber den Iran nicht verlassen.

Foto: Movienet