Mitten in der menschenleeren südafrikanischen Karoo-Wüste in der Provinz Nordkap liegt das Dorf Orania. In dem abgelegenen Dorf leben rund 800 Einwohner, alle sind weiß und afrikaans, auch Buren genannt. Ihr Dorf ist ist Privatgrund, Menschen anderer Kulturen oder Ethnien dürfen in dieser Kommune weder leben noch arbeiten. Die Oranier wollen autark leben und sind stolz darauf, sie leben und arbeiten für ihre burische "Kulturheimat" und wollen ihre Traditionen bewahren.

Der Berliner Filmemacher Tobias Lindner legt mit diesem Dokumentarfilm sein Kino-Regiedebüt vor. Drei Monate lang er die Bewohner des Dorfes mit seiner Kamera begleitet und beobachtet. Ohne Kommentar lässt Lindner allein die Bilder und seine Protagonisten sprechen. Das wirkt oft skurril und weltabgewandt, denn nach dem Ende der Apartheid und der Gleichstellung aller Bürger Südafrikas wirkt das Dorf Orania nicht mehr zeitgemäß und öffnet möglicherweise Rassismus und Extremismus Tür und Tor. Doch zu unterschiedlich sind die einzelnen Bewohner, zu unterschiedlich auch ihre Motivation und ihr weltanschaulicher Hintergrund, um sie alle über einen Kamm scheren zu können. Vor der grandiosen Naturkulisse Südafrikas eingefangen, ist "Orania" letztlich eine Aneinanderreihung von Charakterzeichnungen von ewig Gestrigen, aus der die Geschichte des Großstadtganoven Baksteen, der in der Abgeschiedenheit des Dorfes seiner kriminellen Vergangenheit entfliehen will, herausragt. Denn mit den festen Regeln der Gemeinschaft hat er so seine Schwierigkeiten.



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