Mitte des letzten Jahrhunderts tauchte der SS-Hauptsturmführer Erich Priebke in der argentinischen Kleinstadt Bariloche unter. Neben anderen schweren Verbrechen ist er verantwortlich für die Hinrichtung von 335 Zivilisten am 24. März 1944 in den ardeatinischen Höhlen, ein Steinbruchgelände nahe Rom. In Bariloche erfährt Priebke bald Respekt und Anerkennung und baut sich ein neues Leben mit einflussreichen Positionen auf. Als Vorstand der deutschen Schule verdrängt er missliebige Direktoren und Lehrer und verbreitet nationalsozialistisches Gedankengut, während die Schule sich mit staatlichen Zuwendungen aus der Bundesrepublik finanziert. Mitarbeiter der deutschen Botschaft wissen das und schweigen. Priebke wird schließlich 1994 enttarnt und der italienischen Justiz übergeben, die ihn zu 15 Jahren Haft verurteilt. 1998 hebt ein Militär-Berufungsgericht in Rom die Strafe auf und verurteilt ihn zu lebenslanger Haft. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes verbüßt Priebke die Strafe unter Hausarrest.

Der in Bariloche geborene Carlos Echeverría, Sohn einer deutschen Mutter und eines argentinischen Vaters, besuchte dort die deutsche Schule. Der junge Mann beobachtet die deutsche Gemeinde und den alten Nazi, erfährt von dessen Vergangenheit. In seiner Dokumentation zeichnet Echeverría das erschreckende Bild des Systems nach, in dem Priebke, anfänglich ausgestattet mit einer neuen Identität, wieder zu Macht und Ansehen gelangt. Sensibel arrangierte Spielszenen und noch nie gesehene Privataufnahmen geben Einblick in die Gemeinschaft der ewig Gestrigen und ihrer Gesinnungsgenossen. Damit entlarvt Echeverría die Einwohner von Bariloche als Komplizen des ehemaligen SS-Mannes, die ihn selbst nach der Enttarnung immer noch decken und verteidigen. Echeverría bricht als Augenzeuge den Pakt des Schweigens.

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