England im 14. Jahrhundert. Um sich die Zeit einer langen Pilgerreise nach Canterbury unterhaltsamer zu gestalten, regt der Schriftsteller Geoffrey Chaucer seine Mitreisenden zum Erzählen an. So werden beim Wandern insgesamt acht "tolldreiste Geschichten" von sexuellem Begehren, Ehebruch, Verrat und Habgier, einem Pakt mit dem Teufel, bis hin zu einer ausgewachsenen Vision der Hölle zum Besten gegeben ...

Zusammen mit "Decamerone" (1970) und "Erotische Geschichten aus 1001 Nacht" (1974) zählt dieser Film zu Pasolinis "Trilogie des Lebens", alles Episodenfilme nach Stoffen der klassischen Weltliteratur. Vorbild für "Pasolinis tolldreiste Geschichten" sind die "Canterbury Tales", 22 Versdichtungen von Geoffrey Chaucer (1340-1400). Acht davon hat Pasolini in seinem Film bebildert. Mit seinem derben Erotikfilm sorgte Pasolini 1972 für Wirbel. Das Gericht von Neapel beschlagnahmte im Oktober 1972 das Werk und Pasolini wurde wegen Verleumdung des Kapuzinerordens und der italienischen Staatsreligion angeklagt. Der Prozess endete im Februar 1973 mit einem Freispruch. Auf den Filmfestspielen in Berlin erhielt das Werk überraschend den Goldenen Bären. Dennoch ist die Qualität der "Trilogie des Lebens" nicht unumstritten. Die meisten Pasolini-Anhänger halten sie für seine oberflächlichsten Werke.

Foto: ZDF/MGM/Alberto Grimaldi Productions S.A./Mimmo Cattarinich