Kinderaugen schauen puppenhaft groß und völlig gebannt. Es wird vorgelesen, eine Stimme aus dem Off. Auf dem Boden Blut, ein Messer. Und dann ein Schuss. Der Polizeiruf mit Matthias Brandt als Kommissar von Meuffels, inszeniert von Leander Haußmann, erinnert vom Start weg daran, was ein Verbechen jenseits aller Tatort-Gemütlichkeit bedeutet: ein Schrecken, der die Welt aus den Angeln hebt. Die Kamera verweilt nicht bei dem Kind, späht voyeuristisch durch Vorhänge auf eine Art Liebesszene, die nach Vergewaltigung aussieht. Weiß man's?

Schwenk in eine Kindergarten-Elterngruppe. Man singt gemeinsam und befehdet sich. Ein Verbrechen mag die Welt auf den Kopf stellen, aber sie gerät auch sonst leicht in Schieflage. Im Kindergarten etwa, inmitten boshafter und selbstsüchtiger Eltern. Dann fällt der Satz, den niemand überhören sollte, der sich am Whodunnit dieses Polizeirufs beteiligen möchte: "Nimm dein gestörtes Kind, geh zu deiner gestörten Frau und komm einfach nicht wieder!" Klaus Doldingers angeschrägte Minimalakkorde begleiten von Meuffels auf seinem Leidensweg ins "Kinderparadies". dh

Foto: BR/Eikon Süd GmbH/Barbara Bauriedl