Als Pary El-Qalqili zwölf Jahre alt war, zog ihr Vater Musa, ein nach Deutschland geflüchteter Palästinenser, in das Land seiner Väter und verließ die Familie. Er wollte in seiner Heimat ein Haus bauen, um nicht mehr ein Fremder zu sein. Doch nach der Fertigstellung wurde er von den Israelis als Illegaler ausgewiesen und kehrte nach Berlin zurück, wo er seither sein Leben zurückgezogen im Keller verbringt und seiner Ehefrau aus dem Weg geht …

Die 1982 in Berlin geborene Regisseurin Pary El-Qalqili begibt sich in ihrem Dokumentarfilm auf die Spuren der Geschichte ihres Vaters Musa, die auch ihre eigene Geschichte ist, eine Geschichte von Flucht und Vertreibung, vom Leben im Exil und von einer gescheiterten Rückkehr. Gemeinsam mit ihrem Vater reiste El-Qalqili in den Nahen Osten, besuchte Ägypten, Palästina und Jordanien, immer auf Spurensuche. Die Reise verläuft nicht immer harmonisch, genauso wenig wie die das Gespräch, dass El-Qalqili mit ihrem Vater zu führen versucht und das der Leitfaden von "Schildkrötenwut" ist. Immer wieder verweigert der vom Leben enttäuschte Vater Antworten, zieht sich wütend in seinen "Schildkrötenpanzer" zurück - so nennt Pary El-Qalqili die Momente, in denen sie keinen Zugang mehr zu ihm findet. So ist "Schildkrötenwut" nicht nur ein Film über die auch heute noch aktuelle Palästinenserfrage, sondern auch ein sehr persönlicher Film über die Beziehung eines Vaters zu seiner Tochter.



Foto: mec film