Bob Marley (1945-1981) und Peter Tosh (1944-1987) sind die Götter der Reggae-Musik. In den Sechzigerjahren waren sie in Marleys Gruppe "Wailers" Weggefährten, bevor sie ihre Solokarrieren starteten. Doch während Marley in den Siebzigerjahren zum "vielseitig verwendbaren Allzwecksymbol für jamaikanische Identität avancierte, blieb Tosh seinen Wurzeln als militanter Guerilla-Rasta mit starker Bindung zum einfachen Volk treu", hieß es 1994 in "Blickpunkt: Film". Die kanadische Musikdokumentation "Stepping Razor" setzt sich dem Leben und dem mysteriösen Tod des legendären Reggaekünstlers, Volkshelden, Propheten und radikalen politischen Kämpfers Tosh auf die Spur.

Gestützt auf dessen persönliche Aufzeichnungen und Filmmaterial - den "RED X Tapes" - gibt der Film tiefe Einsicht in die Innenwelt des Rasta-Visionärs und kämpferischen Poeten. Seine besten Freunde und Mitstreiter sprechen über Toshs vielschichtige Persönlichkeit, einige Interviews mit Tosh selbst und bislang unveröffentlichtes Konzertmaterial vervollständigen das Bild. Dramatischer Schluß und Höhepunkt ist die Rekonstruktion seiner Ermordung: Am 11. September 1987 dringen drei Männer gewaltsam in Toshs Haus in Kingston auf Jamaica ein, wo sie Peter Tosh und einige seiner Freunde antreffen. Sie schlagen auf Tosh ein und schießen mehrmals auf ihn, fünf weitere Menschen werden schwer verletzt. Für Tosh kommt jede Hilfe zu spät. Das Motiv der Männer ist nicht geklärt, die Mörder wurden nie gefunden. Die offizielle Version lautet auf Raubmord, über politische Hintergründe wird spekuliert. "Stepping Razor" war 1992 ein begeistert gefeiertes Kinoereignis: eine "blendende, expressionistische Filmarbeit", wie der "San Francisco Chronicle" schrieb. Der deutsche Schauspieler Rolf Zacher, bekannt für seine Porträts von Außenseitern, Exzentrikern und Träumern, leiht Peter Tosh seine Stimme und seine Emotionen - ein kongenialer Interpret und Wahlverwandter.

Foto: Neue Visionen