Der frischgebackene VIP-Betreuer eines großen Hotels führte seine Frauen aus – und natürlich wählte ich das bessere der beiden Restaurants unseres Hauses. Nicht dass ich hier wirklich hingehörte, aber es war doch ein Teil meines neuen Arbeitsumfeldes.

Lena, ganz Dame im blauen Kleid und mit geziemendem Ausschnitt, laserte kritisch die Umgebung ab, als wollte sie prüfen, ob ich hier öfters verkehrte, sie war eine Frau, die einen Mann mit ihrer Neigung zur Kontrolle zittern lassen konnte. Dafür wurde Elseline, der man sogleich einen Kinderstuhl herbeitrug, im Handumdrehen zum Liebling unserer Tischnachbarn.

"Was nimmst du?", wollte Lena wissen.

"Fisch."

"Fisch?"

"Ja."

"Aber du isst niemals Fisch!"

"Heute schon, heute ist Freitag."

"Seit wann das denn?"

"Seit heute Morgen."

"Ach, hör auf! Du warst nie religiös."

"Hier esse ich immer Fisch", behauptete ich.

"Du isst also ständig hier!", schnappte Lena.

"Heute zum ersten Mal. Aber Fisch soll hier sehr gut sein."

Verwundert es, wenn die Mahlzeit, zumindest was Lena und mich anging, in gereiztem Schweigen vonstattenging?

Meine Seezunge war köstlich, Lena nahm wenig zu sich. Am Wein nippte sie nur.

"Die Rechnung bitte!"

"Hast du hier Sonderkonditionen?", wollte Lena wissen.

"Leider nein. Ich hatte dir was bieten wollen, mein Schatz."

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