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     Fernandel

    • Geburtsname: Fernand Joseph Désiré Contandin
    • * Freitag, 8. Mai 1903 in Marseille, Frankreich
    • † Freitag, 26. Februar 1971 in Paris, Frankreich

    Fernandel galt als der Mann mit dem Pferdegesicht
    ¿T?
    Fernandel zählte neben Bourvil und Louis de Funès vier Jahrzehnte lang zu den drei großen Charakterkomikern des französischen Films. "Sein letzter Freund" (1969) von Henri Colpi war sein letzter Film, er wurde von der französischen Presse überschwänglich gefeiert. Erzählt wird die Geschichte eines Stallburschen, der 25 Jahre lang ein Pferd betreut, das er im Auftrag seines Patron an die Picadores von Arles verschachern soll. Er rettet jedoch das Tier vor der Stierkampfarena und verschafft ihm in der Camargue einen friedlichen Alterssitz. Kameramann Roger Fellous, Komponist Georges Delarue und Regisseur Colpi sorgen gemeinsam mit Fernandel dafür, dass aus diesem Schnulzenstoff eine vergnügliche provençalische Odyssee wird.

    Fernandel beginnt seine Karriere mit kleinen Auftritten in Music Halls, Varietébühnen und Kabaretts, arbeitet als Bankangestellter und singt später, 1921, in Konzertcafés. 1928 steht er in Paris als Buffo in Operetteninszenierungen auf der Bühne. Später spielt er im Film bei Sacha Guitry und Claude Autant-Lara, bei Robert Florey und Jean Renoir, bei Julien Duvivier und Marc Allegret. Vor allem aber ist er der Volksschauspieler in den Stücken von Marcel Pagnol ("Der Schpountz") und ist ein bevorzugter Akteur von Christian-Jaque und Henri Verneuil.

    Vor allem aber machen ihn die Guareschi-Verfilmungen weltweit berühmt: "Don Camillo und Peppone" (1952) von Julien Duvivier. Gino Cervi spielt darin den kommunistischem Bürgermeister eines kleinen Dorfes im Norden Italien, irgendwo zwischen Fluss und Gebirge; Fernandel ist als Pfarrer sein Gegenspieler. Die Landarbeiter und Bauern dieser Gegend haben politisch gleich auf zwei Pferde gesetzt - auf den streitlustigen Pfarrer Don Camillo und den Bürgermeister Peppone. So verschieden beider Wege sind, den Menschen das Heil zu bringen, seltsam einig sind sie sich in ihrer Hassliebe.

    Julien Duvivier hat die skurrilen Figuren und Geschichten des Giovanni Guareschi mit viel Liebe und Einfühlsamkeit und zwei hervorragenden Schauspielern auf die Leinwand gebracht. Das war ein solcher Erfolg, dass eine Fortsetzung folgte: "Don Camillos Rückkehr" (1953), ebenfalls von Duvivier. Die freundschaftlichen Streitereien zwischen Peppone und dem manchmal nicht gerade priesterlich-würdigen Don Camillo bringen dem Pfarrer Verdruss: Strafversetzt muss er in einem einsamen Bergnest Seelsorge tun. Doch bald darf er wieder nach Emilia zurück und kann sich nach Herz und Seele mit dem alten Freund-Feind streiten.

    Auch der zweite Teil der Guareschi-Verfilmung mit Gino Cervi und Fernandel, ebenfalls von Duvivier inszeniert, hat den gleichen Witz, Hintersinn und Liebreiz wie der erste Teil. 1955 folgt "Die große Schlacht des Don Camillo", 1961 "Hochwürden Don Camillo", beide von Carmine Gallone inszeniert. Im vierten Film ist Don Camillo inzwischen ehrenwerter Monsignore, Peppone Senator. Das aber gibt Drehbuch und Regie nur Gelegenheit, noch mehr derb-humorige Einfälle zu stapeln. Doch diese beiden Folgen sind nicht mit Duviviers Filmen vergleichbar; die waren humorvoll, witzig, phantasiereich. Demgegenüber wählt Gallone eine grobere Gangart und beschränkt sich außer der Routine auf allerlei derbe Gags, die keinen rechten Biss haben.

    In "Genosse Don Camillo" (1965), dem fünften und letzten Don-Camillo-Film, den Luigi Comencini inszenierte, reisen die beiden Streithähne in die Sowjetunion. Auch dieser Film kann nicht mehr an die frühen Filme anknüpfen. "Der Bäcker von Valorgue" (1952) von Henri Verneuil gehört zu Fernandels schönsten Rollen, eine verblüffend einfache Bauernkomödie: In einer sittenstrengen Gemeinde in der Nähe von Marseilles findet der Dorfbäcker einen Säugling in die Backstube, das schreiende kleine Wesen soll von seinem nach Algerien eingezogenen Sohn René sein. Der Alte protestiert und streikt: Ab sofort erhalten nur diejenigen am Ort Brot, die an die Unschuld von René glauben. Am Ende legt man den Streit bei: der Balg ist ein eheliches Kind, der Bäcker Großvater: "Die Sonne macht hier alles besonders groß, die Melonen, die Kinder und die kleinen Fehler der Menschen", heißt es am Schluss.

    Fernandel spielt aber auch in Julien Duviviers "Un carnet de bal" (1937), und 1942/43 betreut er die Filme "Simplet" und "Adrien" als Co-Regisseur. Nach dem Krieg sieht man den Komiker aber auch immer öfters in ernsten Rollen, wo er sich als vorzüglicher Charakterdarsteller erweist. Vor allem der verheiratete Kleinstadtarzt in "Verbotene Frucht" (1952) von Henri Verneuil, der sich in eine andere Frau verliebt, ein Verhältnis beginnt und dann alles seiner Frau gesteht, die ihm vergibt, lebt gerade von Fernandels eindringlichem Spiel. Eine seiner vielseitigsten Darstellungen gibt er wieder bei Henri Verneuil in "Der Hammel mit den fünf Beinen" (1953), wo er einen Vater und seine fünf Söhne spielt. 1963 gründet er gemeinsam mit Jean Gabin die Produktionsfirma GADER, 1964 treten die beiden Mimen gemeinsam in dem Film "L'âge ingrat" auf. Fernandel wird zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.


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