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War immer für einen Skandal gut 

Harald Juhnke (Seite 2)
(Heinz Herbert Juhnke)
- Geboren am Montag, 10. Juni 1929
- Geboren in Berlin, Deutschland
- Gestorben am Freitag, 1. April 2005
- Gestorben in Fredersdorf bei Berlin, Deutschland
Interview zum Film "Ach du fröhliche" (1996)
Prisma: "Ach du Fröhliche" ist sicher ein guter Komödienstoff, der heute angesichts der großen Arbeitslosigkeit ganz aktuell ist. Felix Bollman fliegt ja, weil er sich weigert Kriegsspielzeug an Kinder zu verkaufen, ja der den Verkauf geradezu torpediert?
Juhnke: Ja, er ist ein friedliebender Mensch, er hat ja früher als junger Mann das alles durchgemacht, kennt noch die Nazi-Zeit, kennt noch die ganzen Folgen und dieser im Grunde fröhliche Mensch ist in seinem Leben nicht weitergekommen und sieht sich jetzt plötzlich in eine Rolle gezwängt, als Psychiater aufzutreten. Na ja gut, das wünscht sich jeder mal, denn ein Mensch, der keine psychatrischen Fähigkeiten hat, hat vielleicht die Möglichkeit, dem anderen mehr zu helfen als sich selber.Prisma: Wieweit können Sie sich mit dieser Rolle des Felix Bollmann identifizieren?
Juhnke: Freilich, das ist ja meine Generation und meine Lebenserfahrung, die sich mit der Figur deckt, was die Zeit und das Alter anbelangt. Aber natürlich ist das mit dem Identifizieren so eine Sache, schließlich soll ja Wussow auch schon Rezepte ausstellen... Das ist eine Komödie und wir schildern das alles schon freundlich.prisma: Herr Juhnke, Sie sind ja Schauspieler und Entertainer und die Rolle des Entertainers wird ja bei uns immer ein wenig abgewertet, er gilt mehr als Spaßmacher denn als Künstler. Das ist ja in anderen Ländern, etwa in den USA anders?
Juhnke: Das ändert sich bei uns jetzt langsam auch, das liegt natürlich daran, daß ein Entertainer sehr viel mehr Geld verdient als ein Bühnenschauspieler, das kann man ja gar nicht vergleichen. Und dann haben wir ja bei uns gar keine, da bin ich ja einer der wenigen Entertainer. Ich habe eben zwei Berufe und das ist ja auch schön, wenn man ab und zu mal eine Figur spielen kann wie den "Trinker" oder jetzt den "Hauptmann von Köpenick", der ja jetzt auch verfilmt wird, nachdem ich einen so großen Erfolg beim Theater hatte.Prisma: Ist das eigentlich ein Kino- oder Fernsehfilm?
Juhnke: Nee, das wird fürs Fernsehen gemacht, das inszeniert der ehemalige DEFA-Regisseur Frank Beyer.Prisma: Da wird das ja sicher etwas anders aussehen als im Theater...
Juhnke: Ja, die Katharina Thalbach hat das ja so wie eine Folge von Zirkus-Nummern aufgezogen, was mir ja sehr zugute kam: alle um mich herum waren Karikaturen, nur der Wilhelm Vogt ist eine arme Sau und da sagten ja viele, das wäre besser rausgekommen als bei Rühmann, der das gut gespielt hat, aber nie betroffen machte. Hier sind so ein paar Szenen drin, wo die Leute Tränen in den Augen haben. Und die Aufführung läuft ja immer noch und immer wieder gut.Prisma: Wie war das beim "Hauptmann", war das eine Idee von der Katharina Thalbach?
Juhnke: Das war so, dass die Thalbach und ich schon lange mal etwas machen wollten. Wir haben einen Film zusammengemacht, der ja leider nichts geworden ist, "Alles auf Anfang". Der hatte zwar eine gute Presse, aber nicht mal die Aushangfotos eingespielt. Und die Kathi wollte eigentlich mit mir am Schiller-Theater, wo ich zuletzt "Alpenglühen" von Peter Turrini gemacht habe, den "Richard III." machen. Das hatten wir vor und dann wurde das Theater geschlossen. Und dann kam der Willms, der Direktor des Maxim Gorki Theaters und rief mich an. Wir sprachen über Projekte und er meinte, es sei der Wunsch am Haus, den "Hauptmann von Köpenick" zu machen. Ob ich das machen würde und ich sagte sofort zu. Das ist ja heute noch aktuell: Hast'e keine Meldung, kriegst'e keine Arbeit. Und das Obrigkeitsdenken, die Uniformen, da braucht man ja nur auf den Presseball zu gehen. Und ich fragte, wer soll das machen, da sagte er, er hatte ein Gespräch mit dem Frank Beyer und der Katharina Thalbach und beide haben - unabhängig voneinander gesagt: Nur mit Juhnke. Er entschied sich für die Thalbach und das war mir auch lieber, weil ich Beyer nicht kannte. Dann haben wir es gemacht, es war ein großer Erfolg und dann kam aber erst raus, daß Willms dem Beyer nicht abgesagt hatte. Das überschnitt sich dann aber mit der Firma Polyphon in Hamburg, die den "Hauptmann" mit mir fürs Fernsehen machen wollte. Und jetzt wird Frank Beyer den Film machen, das Buch schrieb Wolfgang Kohlhaase und das hat mit dem Käutners Vorlage nichts mehr zu tun. Beyer wollte ja einen Kinofilm machen, aber da hat man ja nicht mehr als 2 Millionen Zuschauer und ich hatte 7 Millionen mit dem "Trinker". Der "Köpenick" soll nächstes Jahr laufen, da haben wir bestimmt 10 Millionen Zuschauer.Prisma: Herr Juhnke, Sie sind als ernsthafter Schauspieler wieder ins Bewußtsein gekommen durch die Rolle in "Schtonk".
Juhnke: Ja "Schtonk" und dann kam "Der Papagei" und "Der Trinker", nun beim Fernsehen hat es eine Weile gedauert, bis die das begriffen haben. Im Theater war das ja schon viel eher der Fall als ich ans Renaissance-Theater gegangen bin und den "Entertainer" von Osborne gespielt habe und dann die beiden Moliére-Stoffe, den "Geizigen" und "Tartuffe" und schließlich Eugen O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht". Und das hat ja schon regional in Berlin Friedrich Luft hochgelobt, daß ich diesen Gang antrete und nicht nur Boulevard-Theater mache. Aber natürlich mache ich nebenbei weiter Entertainment. Aber ganz sicher werde ich im Fernsehen nicht mehr sowas wie "Harald und Eddie" machen.
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