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    Jean-Luc Godard

    • * Mittwoch, 3. Dezember 1930 in Paris, Frankreich

    Eigenwillig und skurril: Regisseur Jean-Luc Godard
    ¿T?
    Er gehört zu den Eckpfeilern der Filmgeschichte, zu den wenigen Regisseuren, die nicht nur Herausragendes geleistet haben, sondern eine ganze Filmsprache revolutionierten. Die wegweisenden Neuerungen in seinen Filmen, wie den Jump-Cut, hat er dabei nicht unbedingt selbst erfunden. Er hat es auch nie behauptet. Doch genauso wenig, wie Filmpionier David Wark Griffith die Großaufnahme erfunden hatte und sie dennoch als erster wirklich sinnvoll einsetzte, machte Godard den Jump-Cut im "normalen" Spielfilm salonfähig.

    Jean-Luc Godard war in den Fünfzigerjahren zunächst Filmkritiker bei "Cahiers du cinéma", neben jenen jungen Filmfreaks, mit denen er später die Nouvelle Vague bilden würde: Jacques Rivette, Eric Rohmer und François Truffaut. In dieser Zeit entstanden auch einige Kurzfilme. Gleich sein erster abendfüllender Film wurde ein Klassiker. "Außer Atem" (1959) mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg handelte von einem Kleingangster, der einen Polizisten erschießt und später von seiner Freundin an die Polizei verraten wird. Berühmt wurde Belmondos letzter Satz: "Du bist wirklich zum Kotzen", worauf sie in die Kamera blickt und treudoof fragt: "Kotzen? Was ist das?"

    "Außer Atem" war nicht nur ein Film, der das Lebensgefühl einer Generation spiegelte. Er verstieß gegen jede Regel der damaligen Filmästhetik. Aus langen Gesprächen schnitt Godard einfach Sätze und Satzfetzen heraus, ohne sich um die dadurch entstehenden Bildsprünge (Jump-Cuts) zu scheren. Godard spielte diese Neuerung herunter, als er in seinem Buch "Einführung in eine wahre Geschichte des Kinos" behauptete, sein Film sei einfach zu lang gewesen und er habe auf die Art und Weise schludrig gekürzt. Inhaltlich orientiert sich "Außer Atem" an den Gangster- und Gaunerfilmen Hollywoods; er ist ausdrücklich den Monogram Pictures gewidmet, einer Firma, die in den 40er Jahren auf billig produzierte Reißer spezialisiert war. Jean-Paul Belmondos berühmt gewordene Manierismen (mit dem Daumennagel über die Lippen streichen und so weiter) sind ein deutlicher Verweis auf ebenso manieristische Charaktere wie Bogarts Marlowe oder Sam Spade.

    Die klerikale deutsche Filmkritik konnte damals mit diesem Film nichts anfangen. Im katholischen "film-dienst" erhielt er die Wertung "abzulehnen" (was damals noch schlimmer war als "abzuraten") mit dem Kommentar, dies sei ein zynisches, schlecht gefilmtes Machwerk. "Außer Atem" war einer der ganz wenigen Filme Godards, die ihre Produktionskosten wieder einspielten. Dem Regisseur war dies herzlich egal. In der Folgezeit entwickelte er sich zum radikalsten Vertreter der Nouvelle Vague. Dies hatte zur Folge, dass sein Wirken auf einen kleinen Kreis begeisterter Cinéasten eingeschränkt blieb. Sein zweiter Film, "Der kleine Soldat" (1960), hat die Zeit weitaus weniger gut überdauert. Als Kommentar zum Algerienkrieg angelegt, ist das Werk heute nur noch von (film-)historischem Interesse.

    Dagegen ist "Eine Frau ist eine Frau" (1960) eine starbesetzte Komödie, eine Hommage an den Witz eines Ernst Lubitsch und das amerikanische Musical. In der amüsanten, formal verspielten Dreiecksgeschichte spielen Jean-Paul Belmondo, Jean-Claude Brialy und Anna Karina, mit der Godard von 1961 bis 1967 verheiratet war. "Die Karabinieri" (1962) war eine äußerst karge Kriegsparabel. Zwei Tölpel, die in einer schäbigen Baracke am Stadtrand hausen, werden zum Militär eingezogen. Man verspricht ihnen alle Reichtümer der Welt. So ziehen sie eine Zeitlang durch die Gegend, und als sie zurückkehren, haben sie tatsächlich enorme Schätze dabei, allerdings nur als Abbildung auf Kitschpostkarten. In einer Nebenrolle als Autoverkäufer tritt Barbet Schroeder auf, der später in Hollywood Filme wie "Barfly" (1987), "Weiblich, ledig, jung sucht ..." (1991) und "Desperate Measures" (1998) drehte.

    Fortsetzung


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