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    Michel Piccoli

    • * Sonntag, 27. Dezember 1925 in Paris, Frankreich

    Superstar aus Frankreich: Michel Piccoli, hier mit Brigitte Bardot
    ¿T?
    Er ist unter den Charakterdarstellern einer der ganz Großen: Michel Piccoli. Ungemein vielseitig strahlt der hochaufgeschossene Mann Dominanz und Kraft aus und hat durchaus etwas vom Salonlöwen. Auch in kleineren Rollen ist er somit kaum zu übersehen. Doppelbödige Figuren sind sein besonderes Metier. Auf den ersten Blick eher harmlos, brodelt unter dieser anscheinend ruhigen Oberfläche ein gefährliches Gemisch: kriminelle Energien, Leidenschaften, Obsessionen, Zynismen und Gemeinheiten. So wird der seriöse Herr in Lackschuhen mit den grauen Schläfen in "Trio Infernal" (1974) zum eiskalt berechnenden Monster, das seine Opfer hemdsärmelig in Salzsäure aufzulösen versucht. So wird aus dem biederen Fensterputzer der Anarchist "Themroc" (1972), der die Polizisten am Spieß brät und dann frisst. So entpuppt sich der ehrenwerte Stadtrat und Schlossverwalter in "Blutige Hochzeit" (1973) als cooler Giftmischer, der seine kränkelnde Frau los werden will, um der Geliebten näher zu sein. Rollen, die von aufrichtiger Menschlichkeit geprägt sind, bleiben die Ausnahme. Etwa als Onkel Fuchs und sich sorgender Ehemann von Marianne Sägebrecht in der düsteren NS-Chronik "Martha und ich" (1990).

    Weit über 200 Filme hat der vielbeschäftigte Franzose inzwischen gedreht, der 1944 zum Film kam und parallel dazu mit einem Bein auch immer im Theater stand, bis auf eine längere Bühnenpause in den 70er Jahren. Die französische Mutter ist Klavierlehrerin, der italienische Vater Geiger. Als Schuljunge geht er auf ein Renommier-Internat bei Compiegne, später während des Krieges auf die Ecole alsacienne in Correze. 1942 zurück in Paris ans College Saint Barbe. Schon früh entdeckt Michel die Liebe zum Theater, gemeinsam mit Jean-Claude Pascal und Michel Auclair spielt er das erste Mal in Andersens "Des Kaisers neue Kleider" - damals ist er elf.

    Der Schauspielschüler bei Madame Andree Bauer-Therond arbeitet wie besessen von früh bis abends. Nach dem Krieg, 1947 - es ist eine künstlerisch bedeutende Zeit -, tritt Piccoli an verschiedenen Pariser Theatern auf, spielt neben Martine Carol, die später seine Partnerin in Christian-Jaques "Nathalie" ist. Er ist Bewunderer von Louis Jouvet und Georges Douking, dem großen Magier des französischen Theaters, bei dem er in mehreren Stücken spielt. In dem Theatre Babylone trifft er auf die erste Lebenspartnerin Eleonore Hirt: Sie spielen in Strindbergs "Fräulein Julie", heiraten bald, doch die Ehe hält nicht lang.

    Seit 1954 ist Piccoli Mitglied der Compagnie von Madeleine Renaud und Jean-Louis Barrault und spielt am TNP unter Jean Vilar. Nach einer Nebenrolle in Christian-Jaques "Das Geheimnis der Berghütte" (1945) wird Piccoli bei Louis Daquin Kinoschauspieler. Eine kreative Zeit beginnt. Piccoli spielt Theater und tritt in Filmen auf. Michèle Morgan ist Partnerin als Jeanne d'Arc und sie ist "Marie Antoinette". Jean Renoir sieht ihn auf der Bühne und engagiert ihn für eine kleine Rolle in "French Cancan". Dann begegnet Piccoli Paul Paviot, einen der großen Kino-Artisten Frankreichs.

    Paviot spezialisiert sich auf Parodien des amerikanischen Trivial-Genrekinos und Piccoli ist schon bei seinem Kurzfilm "Terreur en Oklahoma" (1951) dabei, spielt bei ihm Frankensteins Monster in "Torticola contre Frankensberg", ist in "Saint-Tropez für immer" mit von der Partie und ist der schöne Cowboy Tommy und G-man Slim Spring in "Chicago Digest" (alle 1952). Dann lernt Piccoli Luis Buñuel kennen. Der sucht einen kleinen, jungen, rundlichen Priester für "Pesthauch des Dschungels". Piccoli ist groß, schlank und mit 30 nicht mehr der Jüngste. Er bewirbt sich und erhält die Zusage, eine große Freundschaft beginnt. Und als Jean-Luc Godard Piccoli 1963 für seinen Film "Die Verachtung" mit Brigitte Bardot unter Vertrag nimmt, beginnt der kommerzielle Durchbruch.

    Auftritte mit vielen international bekannten Filmstars folgen: Jeanne Moreau, Catherine Deneuve (1966: "Belle de Jour"), Stephane Audran, Jane Fonda, Marlène Jobert, Lea Massari, Andréa Ferréol (1973: "Das große Fressen"), Mascha Gonska, Liv Ullmann, Jane Birkin, Ornella Muti (1975: "Die letzte Frau"), Claudia Cardinale, Isabelle Huppert, Hanna Schygulla, Susan Sarandon (1979: "Atlantic City, USA"), Nathalie Baye, Anouk Aimée, Juliette Binoche und seit Mitte/Ende der 60er Jahre natürlich Romy Schneider" (1976: "Mado", 1969: "Die Dinge des Lebens", 1970: "Das Mädchen und der Kommissar", 1981: "Die Spaziergängerin von Sans-Souci").

    Als doppelgesichtiger, geistig verstörter Richter Mauro Ponticelli in "Der Sprung ins Leere" (1979) wird Piccoli 1980 in Cannes (Goldene Palme) ausgezeichnet. Zwei Jahre später folgt in Berlin ein Darstellerpreis (Silberner Bär) für seine Rolle als menschenverschleißender Kaufhausdirektor Bertrand Malair in "Eine merkwürdige Geschichte" (1981). Als Erbe und unpolitischer Müßiggänger gefällt Piccoli in "Eine Komödie im Mai" (1989, mit Miou Miou). 1992 kommt er in dem Meisterwerk "Die schöne Querulantin" (mit Emmanuelle Béart) als Maler Frenhofer in die Kinos. Piccoli kann noch einmal alle Register seiner Darstellerkunst ziehen: den liebenswerten Mann, das eiskalte Ekel, den Zyniker und den Verzweifelten. Michel Piccoli war in zweiter Ehe (1966 - 1977) mit der Chansonette Juliette Greco und ist seit 1980 in dritter Ehe mit Ludovine Piccoli verheiratet.

    Und über die wenigen Liebesbeziehungen dazwischen - Stillschweigen. Das nährt den Klatsch: Wie war das mit Martine Carol, Annie Girardot, der Bardot, Jane Fonda, Catherine Deneuve - oder vor allem was war mit Romy Schneider?! Und dann kamen Jane Birkin und Sandrine Bonnaire dazu. Politisch steht Michel Piccoli wie Juliette Greco, seine Freunde Simone Signoret und Yves Montand, Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre der französischen KP nahe, doch er ist gegen jede Art von politischem Machtverhalten, lehnt alles Diktatorische im Osten wie im Westen ab. So engagiert er sich für Wolf Biermann, als man ihn aus der DDR ausweist. Engagement zeigt sich vor allem aber im Beruf: Er produziert Filme junger Regisseure und verhilft ihnen zu einer Chance im Dschungel der modernen Kino-Produktion.

    Fortsetzung


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