Eine etwas ungewöhnliche Karriere für einen Schauspieler: Bourvil beendete mit 15 die Schule und begann eine Lehre als Bäcker. Er betätigte sich jedoch viel lieber als Hilfsarbeiter am Bau. Während seines Militärdienstes entdeckte er seine Vorliebe fürs Singen, so dass er 1937 das erste Mal als Amateur-Entertainer mit gecoverten Liedern von Fernandel auf der Bühne auftrat. Als die Nationalsozialisten Frankreich besetzen, bestritt Bourvil seine erste Radiosendung und avancierte mit seinen mittlerweile eigenen Liedern zum französischen Radiostar. Unter dem Pseudonym Andrel - eine Hommage an sein Vorbild Fernandel - machte er sich in Operetten und Kabaretts in der französischen Provinz einen Namen als Chasonnier.

Seine erste kleine Rolle auf dem Bildschirm erhielt er 1941 in "Croisières sidérales", doch seine offizieller erster Film ist die Komödie "Entfesselte Leidenschaften" (1943). Nach dem Ersten Weltkrieg ging er nach Paris, wo er 1946 seine erste Platte aufnahm. Schon nach kurzer Zeit mauserte sich Bourvil zu einer der beliebtesten französischen Komiker und Charakterdarsteller. Meist erhielt er die Rolle des tumben oder raffinierten Bauern, der sich den Tücken des Alltags durch seine Schlagfertigkeit und gespielte Naivität behauptet. Er änderte seinen Künstlernamen schließlich in Bourvil um, der kleine Ort in der Normandie, wo er aufgewachsen war.

In den Fünfzigerjahren stand er fann öfter auf der Theater-Bühne als vor der Kamera. Ein möglicher Grund: Das Kino brachte selten sein volles Talent zur Geltung, denn meist verheizte man ihn in dämlichen kleinen Lach-Rollen. Doch es gibt Ausnahmen wie Henri Georges Clouzots "Miquette et sa mère" (1950), Sacha Guitrys "Versailles - Könige und Frauen" (1954), Gilles Graniers Posse "Der Sonntagsangler" (1954), André Hunebelles Abenteuerfilm "Ritter der Nacht" (1959) und René Clairs "Alles Gold dieser Welt" (1961).

Trotz seines Erfolgs als Komiker setzte Bourvil bis Mitte der Sechziger seine Karriere als Sänger in musikalischen Komödien und Operetten fort. Nach zwei Filmen unter der Regie von Jean-Pierre Mocky ("Den Seinen gibt's der Herr", "Angst in der Stadt") folgte 1965 Bourvils wohl berühmteste Rolle als der kleine Taxifahrer Martin in "Zwei Mann, ein Schwein und die Nacht von Paris". Dieser erklärt sich bereit, ein schwarz geschlachtetes Schwein 1942 quer durch Paris zu transportieren. Sein Kumpane Grandgil alias Jean Gabin erweist sich dabei als ganz unangenehmer Zeitgenosse. Bourvil spielte den Schwarzhändler in einer erstaunlichen Mischung von Klamauk, schwarzem Humor und echter Tragödie.

Als in den Endsiebziger Jahren die Klamauk-Streifen mit Louis de Funès (wie etwa "Louis, das Schlitzohr") eine Renaissance erleben, wird auch Bourvil aufgewertet. In Filmen wie Gérard Ourys "Scharfe Sachen für Monsieur" (1964) und "Die große Sause" (1966) werden beide ein beliebtes Komikergespann. Und Bourvil glänzte 1968 noch einmal in Ourys herrlicher Komödie "Das Superhirn" an der Seite von David Niven und Jean-Claude Belmondo sowie in der Komödie "Schussfahrt nach San Remo".

Einer seiner besten Rollen spielte Bourvil in seinem vorletzten Film unter der Regie von Jean-Pierre Melville in "Vier im roten Kreis" (1970), in dem er einen überhaupt nicht komischen Polizeikommissar mimt. Um sich von der Komödienfigur abzugrenzen, kündigte er sich erstmals als "André Bourvil" an. Bereits 1958 hatte er - ohne großen Erfolg - in dem interessanten André-Cayatte-Film "Der Tag und die Nacht" an der Seite von Michèle Morgan die tragische Rolle eines Kleinbürgers gespielt. Im Alter von nur 53 Jahren starb er am 23. September 1970 in Paris am Kahler-Syndrom.