Bernard Giraudeau

Bernard Giradeau 2007 beim Festival international
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Bernard Giradeau 2007 beim Festival international de géographie
Bernard René Giraudeau
Geboren: 18.06.1947 in La Rochelle, Charente-Maritime, Frankreich
Gestorben: 17.07.2010 in Paris, Frankreich

In Frankreich ein Star, der nach seinem Tod unter anderem vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy als "fesselnder und beliebter Mensch mit vielen künstlerischen Facetten" gewürdigt wurde, ist er in Deutschland nur eingeweihten und aufmerksamen Kinogängern bekannt: Bernard Giraudeau. Doch er war nicht nur ein beliebter Schauspieler, sondern auch Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Schriftsteller. Als 2001 bekannt wurde, dass er an Nierenkrebs leide, da blickte er schon auf eine mehr als 30 Jahre lang währende Karriere zurück, an der er, kurz nach dem Ausbruch der Krankheit, noch festhielt. Erst als 2005 Metastasen in der Lunge auftauchten, beendete er seine aktive Laufbahn als Schauspieler und widmete sich verstärkt der Schriftstellerei und der Unterstützung anderer Krebs-Patienten.

Ursprünglich hatte er einen Berufsweg "zur See" begonnen. Als 16-Jähriger trat er der französischen Marine bei, die er erst nach sieben Jahren - mit dem Ziel Schauspieler zu werden - verließ. Zunächst zog er mit einer Wandertheatertruppe durch die Lande, dann bewarb er sich am Conservatoire national supérieur d'art dramatique, der ältesten und bedeutendsten Schauspielschule Frankreichs, und studierte dort von 1971 bis 1974. Noch während seiner Ausbildung begann er seine Karriere als Film- und Fernsehschauspieler. Sein Kinodebüt gab er 1973 in "Endstation Schafott" an der Seite von Jean Gabin. Seither war er von den Bildschirmen, der Leinwand und der Bühne nicht mehr wegzudenken.

In Deutschland fiel er - in erster Linie den weiblichen Zuschauern - als charmanter Lehrer Éric Thompson in "La Boum - Die Fete - Eltern unerwünscht" (1980) auf. Anfang der Achtzigerjahre erlebte der sympathische Mime den Höhepunkt seiner Karriere. Nach vielen Nebenrollen in den Siebzigerjahren bekam er nun immer öfter den Part des Hauptdarstellers angeboten. Man sah ihn 1981 in der erfolgreichen TV-Serie "Unter der Trikolore", der Komödie "Viens chez moi, j'habite chez une copine", dem Liebesfilm "Passion der Liebe", in dem Beziehungsdrama "Zeit der Sehnsucht", wo er erneut neben seiner "La Boum"-Partnerin Brigitte Fossey agieren konnte, und an der Seite von Jean-Louis Trintignant in dem Gangsterfilm "Der Superboss". Ein Jahr später folgte das Melodram "Hecate - Worte kommen meist zu spät" (1982). Darüber hinaus stand er gemeinsam mit Lino Ventura für José Giovannis "Der Rammbock" vor der Kamera. In Christopher Franks langweiliger und ziemlich amateurhaften Softsex-Schmonzette "Teuflische Umarmung" schlüpfte Bernard Giraudeau einmal mehr in die Rolle des gutaussehenden und umschwärmten Charmeurs, während er mit "Die Spezialisten" (ebenfalls 1984) gemeinsam mit Gérard Lanvin eine ungewöhnliche Gangstergeschichte, die nicht nur mitreißende Actionszenen zeigt, sondern auch mit pointierten Dialogen aufwartet, ablieferte. 1987 trat er erstmalig auch hinter die Kamera und lieferte als Regisseur "La face de l'ogre" ab.

Auch in den Neunzigerjahren lagen ihm nicht nur die weiblichen Fans, sondern auch die großen französischen Darstellerinnen zu Füßen. Er becircte 1991 in "Die schöne Lili" Catherine Deneuve und erlebte mit Isabelle Huppert in "Nach der Liebe" (1992) eine Dreiecksgeschichte. 1994 überzeugte er neben Gérard Lanvin in Nicole Garcias Familiendrama "Der Lieblingssohn", außerdem schlüpfte er in die Rolle des Schriftstellers und Piloten Antoine de Saint-Exupéry in der Filmbiografie "Saint-Exupéry". Ein Jahr später erfüllte er sich als Hauptdarsteller, Autor und Regisseur mit "Launen eines Flusses" einen Herzenswunsch. In historischem Ambiente erzählte er von einem Tunichtgut, der sich mitten im Afrika des 18. Jahrhunderts zunächst bloß geschickt durchzuschlagen versucht, sich dann aber endlich selbst kennenlernt. Die Abenteuergeschichte, die sich zur Zeit der aufkommenden Französischen Revolution abspielt, wurde gut umgesetzt und weiß durch die mitunter witzigen Einlagen und die schlichte Erzählweise zu überzeugen. Ein Jahr später übernahm er in "Ridicule" erneut eine Kostümrolle in einem Historienfilm und auch "Marquise - Die Rolle ihres Lebens" spielt im vorrevolutionären Frankreich. In "TGV-Express - Der schnellste Zug nach Conarky" (1998) reiste er mit einem Reisebus von Dakar nach Conarky in Guinea. 1999 überzeugte Bernard Giraudeau in dem Drama "Tropfen auf heiße Steine", das François Ozon nach Rainer Werner Fassbinders gleichnamigen Theaterstück in Szene gesetzt hat.

Die französische Regisseurin Claire Devers inszenierte 2001 die düstere Geschichte "Verlorene Seelen" nach einem Roman von Jean-Claude Izzo. Das illusionslose Drama über gestrandete Seeleute, die es nicht mehr schaffen im "normalen" Landleben Fuß zu fassen, überzeugte auf der ganzen Linie. Grandios auch die Besetzung: Bernard Giraudeau als einzelgängerischer Seemann, Audrey Tautou verkörperte die schöne Prostituierte Laala und als Mariette konnte man die am 1. August 2003 verstorbene Marie Trintignant in einer ihrer letzten Rollen sehen. Zwei Jahre später spielte Bernard Giraudeau neben Maruschka Detmers in "Mata Hari - Die wahre Geschichte". Darüber hinaus sah man ihn in "Ce jour-là" und gemeinsam mit Ludivine Sagnier und Julie Depardieu in "Die kleine Lili". "L'empire du tigre" (2005) wurde Bernard Giraudeaus letzter Filmauftritt. In den letzten Jahren seines Lebens widmete er sich erfolgreich der Schriftstellerei und wurde Mitglied des Vereins "Écrivains de marine". Darüber hinaus engagierte er sich im Kampf gegen Krebs und unterstützte das Informationsprojekt "La Maison du Cancer" ("Das Haus gegen den Krebs"), wo er Betroffenen Ratschläge gab, wie sie mit ihrer Krankheit umgehen und ein normales Leben führen können. Am 17. Juli 2010 starb er in einem Pariser Krankenhaus im Alter von 63 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung, gegen die er zehn Jahre lang angekämpft hat. Aus seiner langjährigen Partnerschaft zu der Schauspielerin Anny Duperey gingen zwei Kinder hervor. 1982 wurde Sohn Gaël geboren, drei Jahre später erblickte dessen Schwester Sara das Licht der Welt. Sara folgte den beruflichen Vorgaben ihrer Eltern und wurde ebenfalls Schauspielerin.

Weitere Filme und Serien mit Bernard Giraudeau: "Au théâtre ce soir" (TV-Serie, 1971), "Les évasions célèbres" (TV-Serie, 1972), "La porteuse de pain" (Mehrteiler), "L'éloignement" (TV-Serie), "Die perfekte Erpressung", "Arsène Lupin" (TV-Serie, alle 1973), "Les oiseaux de Meiji Jingu" (TV-Serie, 1974), "La petite gare", "Pourquoi la robe d'Anna ne veut pas redescendre", "Der Zigeuner", "Les Mohicans de Paris" (TV-Serie, alle 1975), "Jamais plus toujours", "Nouvelles de Henry James" (TV-Serie), "Histoire de rire" (alle 1976), "Der Richter, den sie 'Sheriff' nannten", "Bilitis", "Liebeserwachen" (alle 1977), "L'equipage" (1978), "Louis XI ou Le pouvoir central", "Verdammt nochmal!... Wo bleibt die Zärtlichkeit", "Waffe des Teufels" (alle 1979), "Meurtres à domicile" (1982), "Papy fait de la résistance" (1983), "Rue barbare" (1984), "Bras de fer", "Moi vouloir toi", "Unter Wölfen" (alle 1985), "Jeux de société", "Tödliche Grenze" (beide 1986), "Engel aus Staub", "L'homme voilé", "Isabell - ein Schock für's Leben" (alle 1987), "La grande cabriole" (Mehrteiler, 1989), "Le coup suprême" (1991), "Drôles d'oiseaux", "Ein neues Leben", "Frauen denken nur an eines" (alle 1993), "Confession secrète" (1995), "L'ex", "Die stumme Herzogin" (beide 1996), "Vergiss Sarajevo nicht", "Marthe" (beide 1997), "La poursuite du vent" (Mehrteiler), "Scherpa" (TV-Serie, beide 1998), "Nanà", "Le double de ma moitié" (beide 1999), "Une affaire de goût" (2000), "Une fille dans l'azur" (2001), "La mort est rousse" (2002), "Leclerc, un rêve d'Indochine" (2003), "Je suis un assassin", "Im Kopf des Mörders" (beide 2004), "Chok-Dee - Der Weg des Kämpfers" (2005).

Foto: Wikipedia Commons/Ji-Elle

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