Brigitte Bardot

Und immer lockt das Weib: Brigitte Bardot. Vergrößern
Und immer lockt das Weib: Brigitte Bardot.
Fotoquelle: Kinowelt
Brigitte Bardot
Geboren: 28.09.1934 in Paris, Frankreich

Die Initialen BB standen lange Zeit für wohlproportionierte, weibliche Formen und deren Reize. Brigitte Bardot, das wohlbehütete Mädchen aus gutem Hause, wurde auf Anraten der Ballettlehrerin zunächst von den Eltern in Szene gesetzt und am 2. Mai 1949 erschien die erste Zeitung, dessen Cover BB zierte. Als Hutmodell und Covergirl für Modemagazine entdeckte sie dann Regisseur Marc Allégret für den Film. Dieser schickte seinen damaligen Assistenten Roger Vadim ins Haus Bardot. Vadim spürte prompt das Potential des Mädchens, musste aber drei Jahre warten, bevor er die Bardot - nun endlich 18-jährig - am 20. Dezember 1952 ehelichen konnte.

Fortan trieb Vadim die Karriere seiner Frau - nicht uneigennützig - voran und wusste ihren Ruhm auch mit einigen Skandalen und Nacktszenen zu fördern. Der Rest ist Filmgeschichte. Auch wenn der Film mit ihrem Entdecker Allégret nicht zustande kam, so entschied sich - dank der Intervention von Roger Vadim - Regie-Kollege Jean Boyer, der BB in den Probeaufnahmen gesehen hatte, die Bardot 1952 in seinem Film "Le Trou Normand" an der Seite von André Bourvil einzusetzten. Auch ihr zweiter Film "Sommernächte mit Manina" - erstmals im knappen Bikini - entstand noch vor der Hochzeit mit Vadim, der auch diesen Filmeinsatz gemanagt hatte.

"Mein Spiel schien noch schlechter zu sein"

Brigitte Bardot sagte zu diesem Film später: "Ich übernahm die Rolle eines wilden kleinen Mädchens, das sich auszieht. Ich besaß ebensowenig Erfahrung wie bei meinem ersten Film. Mein Spiel schien noch schlechter zu sein. Später trieb es mir die Schamröte ins Gesicht, wenn ich an meine filmischen Anfänge dachte. Ich hatte einen schlechten Start gehabt - ein billiges kleines Starlet trieb sich in einem minderwertigen Film umher." Auch die Kritiker waren zunächst überhaupt nicht begeistert: "Brigitte Bardot ist nicht hübsch. Ihre Unterlippe ist zu dick. Sie hat keine schönen Augen und das Gesicht eines Dienstmädchens", schrieb der eine und "ihr Spiel ist schlecht, ihre Diktion kläglich, die Rolle beklagenswert und ihre Schönheit nicht der Rede wert", wetterte der andere.

Nur Ehemann Vadim glaubte fest an die Zukunft seiner jungen Frau und verkündete visionär: "Du bist eines Tages der unerfüllbare Traum eines jeden Mannes." Nach einem winzigen Auftritt in dem von Daniel Gélin inszenierten Film "Von Sensationen gehetzt" folgte eine größere Rolle in dem belanglosen Streifen "Le portrait de son père". Danach gelang es Vadim, seiner Frau eine kleine Rolle in dem Anatole Litvak-Film "Ein Akt der Liebe", in dem immerhin Weltstar Kirk Douglas die Hauptrolle spielte, zuzuschanzen. Als Douglas später den Film in Cannes präsentierte, gelang es Vadim, dass seine Frau ständig an der Seite von Douglas zu sehen war. Bei einer Fotosession zeigte sich Brigitte in einem engen Teenager-Kleid, später im geblümten Bikini und die Fotografen wollten Kirk Douglas nur fotografieren, wenn Brigitte an seiner Seite stand. Ein Sexsymbol war geboren.

Weniger beachtenswerte Filme wie "Versailles - König und Frauen"

Vadim ließ nicht locker und verstand es prächtig, seine hübsche Frau in Szene zu setzen. Trotzdem folgten 1954 erst weniger beachtenswerte Filme wie "Versailles - König und Frauen", in dem Brigitte lediglich eine Kurtisane mimt, "Verrat", die US-Produktion "Die schöne Helena / Der Untergang von Troja", der benteuer-Streifen "Dunkelroter Venusstern" und unter der Regie ihres eigentlichen Entdeckers Marc Allégret "Reif auf jungen Blüten", der auch eine Nacktszene - in ihrer Wohnung badend - beinhaltete. Dieser Film, der sie in einer Hauptrolle an der Seite von Star Jean Marais präsentierte, brachte ihr immerhin eine Rolle in der britischen Produktion "Doktor ahoi!" mit Dirk Bogarde ein. Hier verhüllt ein Duschvorhang noch das, was die Welt sehen wollte. Nachdem das Projekt "Die roten Teufel" von Leni Riefenstahl nicht zustande kam, folgten ebenfals 1955 René Clairs "Das große Manöver", "Gier nach Liebe" und "Pariser Luft". 1956 kam zunächst der Kostüm-Streifen "Nero's tolle Nächte", in dem sie die Rolle von Neros Geliebten Poppea übernahm und mit ihrer Badenummer in Eselsmilch für Furore sorgte.

Danach folgte mit Allégrets "Ein Gänseblümchen wird entblättert" - der Titel offerierte etwas, das selbst in der Striptease-Szene nicht zu sehen war, doch der eng anliegende Pullover offenbarte als Blickfang pralle Reize - und unter der ersten Regie von Ehemann Vadim mit "... und immer lockt das Weib" endlich der erhoffte weltweite Durchbruch. Hier spielt BB ein sinnliches Waisenmädchen, daß bei der Tante an der Cote d'Azur mit obzönen Tänzen und unmoralischen Gebärden der Männerwelt - vornehmlich Curd Jürgens, Christian Marquand, Jean-Louis Trintignant - die Köpfe verdreht. Nach diesem Film ernannten die Amerikaner Brigitte Bardot zum "Sexsymbol des Universums" und Gary Cooper sagte - nachdem er den Film gesehen hatte: "Ich hätte mir besser einen Sack über das Gesicht ziehen sollen".

Sexsymbol-Status ausgebaut

Fortan war BB nahezu ausschließlich in Hauptrollen zu sehen: "Die Braut war viel zu schön" (1956), "Die Pariserin" (1957), Vadims "In ihren Augen ist immer Nacht" und "Mit den Waffen einer Frau". Da es in der Ehe Bardot/Vadim schon lange kriselte, kam es am 6. Dezember 1957 zur Scheidung. Brigitte Bardot baute ihren Sexsymbol-Status mit Filmen wie "Ein Weib wie der Satan" (1958), "Babette zieht in den Krieg" (1959) und "Wollen Sie mit mir tanzen?" (1959) weiter aus. Erst mit dem beeindruckenden Gerichts-Melodram "Die Wahrheit" (1960) beginnt die Bardot - inzwischen mit dem zwei Jahre jüngeren Jacques Charrier verheiratet - mit ihrem Mythos als Sexsymbol aufzuräumen, obwohl die Streitereien mit ihrem Ehemann in der Skandal-Presse herumgereicht wurden und BB sogar an ihrem 26. Geburtstag einen Selbstmordversuch unternahm.

Wieder genesen, von Charrier getrennt und mit Schauspiel-Kollege Sami Frey liiert, stand sie unter der Regie von Ex-Ehemann Vadim für "In Freiheit dressiert" (1961) vor der Kamera. Es folgten "Galante Liebesgeschichten" und mit "Privatleben" einer ihrer besten Filme. Louis Malle inszenierte hier eine eindrucksvolle Geschichte über eine Schauspielerin, die zum Idol der Massen avanciert (also spielt die Bardot sich quasi selbst). Doch als Star ist sie gleichzeitig Opfer der Gesellschaft, in ständiger Flucht vor Paparazzi und verfällt schließlich in eine innere Einsamkeit. Hier wurde der "Mythos BB" vollends zerstört.

Allianz von gegensätzlichen Eigenschaften

Anschließend drehte sie wieder mit Vadim "Das Ruhekissen" (1962), gefolgt von Jean-Luc Godards Abrechnung mit der Filmwelt "Die Verachtung" (1963). Eigentlich wollte sich Brigitte Bardot vor diesem Film aus der Branche zurückziehen, konnte Godards Angebot und die damit verbundene Herausforderung aber nicht ablehnen: Der Film beschreibt die Dreharbeiten zu einem Film. Dabei glaubt die Frau eines Drehbuchautors, bald, dass ihr Mann sie zu seinem Vorwärtskommen dem Produzenten "überlassen" wolle. Diese wundersame Allianz von so gegensätzlichen Eigenschaften wie Hingabe und Souveränität, Freiheit aber niemals Anstössigkeit, verleiht BB die Dimension eines gesellschaftlichen Phänomens. In zehn Jahren und fünfzehn Filmen trägt der von ihr begründete neue Frauen-Mythos dazu bei, das Bild der Frau zu revolutionieren, die Geschlechterrollen ins Wanken zu bringen und das Ideal von sinnlicher Liebe zutiefst zu verändern.

1963 drehte BB die gelungene Spionagefilm-Paradie "Die Verführerin" mit Anthony Perkins", hat Gastauftritte in "Marie Soleil" (1964) und "Geliebte Brigitte" (1965) und liefert mit Louis Malles "Viva Maria!" als revolutionäre Maria II eine ihrer stärksten Rollen. Nach einem Gastauftritt in Godards "Masculin - féminin" (1965) spielt BB in "Zwei Wochen im September" eine Fotomodell. 1967 dreht sie wieder mit Louis Malle, diesmal eine Episode für den Film "Außergewöhnliche Geschichten". Ein Jahr später folgt der ungewöhnliche Western "Shalako" (Regie: Edward Dmytryk) an der Seite von James Bond-Darsteller Sean Connery.

Selten so gut

Danach spielt BB noch die Hauptrolle in der etwas seltsamen Komödie "Oh, diese Frauen" von Jean Aurel und in der überaus amüsanten Screwball-Komödie "Der Bär und die Puppe" von Michel Deville. Hier mimt Jean-Pierre Cassel einen leicht zerstreuten Cellisten, der die Musik und das ruhige Leben auf dem Lande liebt und von Frauen nichts wissen will. Als eine snobistische Schöne mit ihrem Rolls Royce auf seine Ente fährt, kann diese es nicht fassen, dass der Musiker nicht ihrem Charme erliegt. Fortan stört die Hübsche das idyllische Leben des Musikers und attackiert ihn mit allen strategischen Mitteln ihrer Weiblichkeit. Ein Film, der nicht wie andere der End-60er bzw. 70er mit spekulativen Sexszenen prahlt. Außerdem war die Bardot - kurz vor ihrem endgültigen Rückzug aus dem Filmgeschäft - selten so gut wie hier.

Die letzte BB-Filme "Die Novizinnen", "Die Rum-Straße", "Petroleum-Miezen", "Don Juan 73" und "L'Histoire très bonne..." konnten einstige Erfolge nicht wiederholen. Neben den bereits genannten Ehen und Affären war Brigitte Bardot auch mit Kollege Jean-Louis Trintignant, Sacha Distel, dem spanischen Schauspieler Gustavo Rojo, dem französischen Sänger Gilbert Bécaud, dem italienischen Kollegen Raf Vallone, dem Regisseur Marcel Camus, Warren Beatty und vielen anderen liiert. Ihre dritte Ehe führte sie lediglich zweieinhalb Monate mit dem deutschen Playboy und Hobby-Fotografen Gunther Sachs. 1976 erregte Brigitte Bardot als entschiedene Gegnerin der Abschlachtung von Robben Aufsehen in der Öffentlichkeit und einige Boulevard-Blätter schrieben, dass sie wohl Tiere mehr zu schätzen wüsste als Menschen. Doch in der Folgezeit wurde sie eine der berühmtesten Aktivistinnen für die Rechte der Tiere und gründete sogar eine "Foundation", die sich um die weltweite Durchsetzung der Rechte der Tiere einsetzt. "Gäbe es irgendetwas, was ich tun könnte, damit sich das Verhalten der Menschen miteinander ändern würde - ich würde es tun. Solange ich dies aber nicht kann, bleibe ich bei den Tieren", sagte BB zu diesem Thema.

In Frankreich auch als Sängerin populär

Außerdem war Brigitte Bardot zumindest in Frankreich auch als Sängerin populär und hat vor allem in den 60er und 70er Jahren viele Songs eingespielt. Brigitte Bardot ist der erste französische Star, der den absoluten internationalen Durchbruch schafft. Abgesehen von ihrer atemberaubenden Schönheit, dieser tänzerischen Anmut, die Millionen Menschen faszinierte, ging von BB ein Zauber aus, den so verschiedene Schriftsteller wie Simone de Beauvoir, Jean Cocteau, Marguerite Duras, Françoise Sagan oder Roland Barthes zu analysieren versuchten.


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