Chen Kaige

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Nicht nur chinesischer Cineast: Chen Kaige
Fotoquelle: cinemafestival/shutterstock.com
Chen Kaige
Geboren: 12.08.1952 in Peking, China

Spätestens seit seinem Welterfolg "Lebewohl, meine Konkubine" zählt der chinesische Regisseur Chen Kaige auch hierzulande nicht mehr zu den unbekannten Größen aus Fernost. Schon Kaiges Vater Chen Huai Kai war ein namhafter Regisseur, der für die Beijing Film Studio (BFS) arbeitete, und seine Mutter Liu Yan Chi war Drehbuch-Lektorin und -Redakteurin in der Entwicklungsabteilung des Studios.

1965 kam Chen Kaige in die zweite Stufe des chinesischen Schulsystems. Doch nur ein Jahr später unterbrach die Kulturrevolution seinen Bildungsweg auf dramatische Weise. Noch heute haben Eindrücke und Erfahrungen aus jener Zeit starken Einfluss auf sein Werk. Zumal sich Familie Chen während dieser unrühmlichen Periode chinesischer Geschichte starken Restriktionen unterwerfen musste. Diese gipfelten darin, dass Kaige 1969 im Rahmen der "Umerziehung" von Maos Jugendprogramm auf eine Gummibaumplantage in Yunnan geschickt wurde.

Auf dem Land lernte Chen Kaige in den beiden folgenden Jahren die chinesische Gesellschaft erst wirklich kennen, und sein Traum vom glückseligen Sozialismus zerbrach: Zuviel Menschen seiner direkten Umgebung starben. 1971 meldete sich Chen Kaige bei der Volksbefreiungsarmee, bei der vier Jahre lang als Soldat und Basketballspieler diente. Er lernte dabei auch die schrecklich Kehrseite des Kriegsdienstes kennen. Nach seinem Wehrdienst jobbte er in den Labors Pekinger Filmstudios, wo er etwa auch Belüftungsanlagen installierte. Der endlosen Propaganda der Kulturrevolution schnell müde geworden, begann Chen, neben seiner normalen Arbeit zu schreiben.

Doch selbst nach dem Ende der Kulturrevolution im Jahre 1976 musste Chen noch zwei Jahre warten, bis er die Aufnahmeprüfung an der Beijing Film Academy bestand. Er schrieb sich im Fach Regie ein. Mit seinen Kommilitonen Zhang Yimou und Tian Zhuangzhuang sollte er später als Chinas Regisseure der "Fünften Generation" berühmt werden. Was oberflächlich betrachtet oft wie simple Propaganda anmutet, zeigt unter der Oberfläche die Eindrücke der Filmemacher über die Welt, in der sie leben. Die jungen Regisseure strotzten vor Energie: Chen vergleicht die Aufbruchsstimmung der "Fünften Generation" gern mit der aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und bezeichnet die Kulturrevolution heute noch als "Bürgerkrieg".

Nach seinem Abschluß bekam Chen einen Vertrag beim Beijing Film Studio und arbeitete als Regieassistent an zwei Filmen, bevor ihm 1984 die Regie von "Gelbe Erde" angeboten wurde. Sein Studienkollege Zhang Yimou führte die Kamera. Chens Erstlingsfilm wurde prompt mit dem Silbernen Leoparden beim Filmfest von Locarno ausgezeichnet. Chen Kaige taucht in seinem Debüt in das China während des Befreiungskrieges im Jahre 1939: Die Volksbefreiungsarmee schickt einen Offizier in ein abgelegenes Dorf im provinziellen Nordwesten des Landes. Er soll alte Volkslieder sammeln, die später - mit abgeänderten Texten - den Befreiungskampf vorantreiben sollen. Der Soldat findet bei einem alten Bauern Unterschlupf. Dort wird er schnell zum väterlichen Freund der 12-jährigen Tochter. Diese soll zum Zwecke finanzieller Sicherheit einen Alten heiraten...

"Chens Film verbindet die Schilderung der Situation im revolutionären China mit einer sensiblen Schilderung der archaischen Lebensweise; ohne dabei die Bauern ob ihrer "Rückständigkeit" zu verurteilen. China an der Schwelle zwischen Tradition und Revolution in einem wunderbar fototafierten Film mit detailreichen Bildern", schrieb Lutz Gräfe, Filmkritiker und Kenner fernöstlicher Filme. Mit "Die große Parade" (1986) drehte Chen Kaige ein Gleichnis über den Kampf zwischen individuellen und kollektiven Werten. Immerhin brachte der Chen Kaige ein Angebot für einen Lehrauftrag der New York University ein. Dieser folgte er nach der Fertigstellung von "König der Kinder" und einem Auftritt als Schauspieler in Bernardo Bertoluccis "Der letzte Kaiser".

In "König der Kinder" schilderte Chen Kaige mit beeindruckenden Bildern die Geschichte eines Landarbeiters, der während der Kulturrevolution zum Lehrer einer kleinen Provinzschule auserkoren wird. Als er die Schüler zu eigenständigem Denken erzieht, bekommt er Schwierigkeiten mit den Vorgesetzten und wird entlassen. Nach seinem dreijährigen New York-Aufenthalt und einem kurzen Intermezzo in der Pop-Kultur - er inszenierte das "Duran Duran"-Video "Do You Believe In Shame" (1989) - machte sich Chen Kaige an die Verfilmung des gleichnishaften Werkes "Die Weissagung des Meisters" (1991). Hier geht es um einen Blinden, der als Junge die Prophezeiung erhielt, dass er von seiner Blindheit geheilt werden könne, wenn die 1000ste Saite seines Instrumentes reißt. Mit seinem ebenfalls blinden Schüler zieht der Musiker durchs Land.

Seinen bislang größten Erfolg feierte Chen Kaige mit dem bildgewaltigen Werk "Lebewohl, meine Konkubine" (1993). Diesmal schildert Chen Kaige das Schicksal zweier Schauspieler zwischen 1924 und 1977. Einer von ihnen wird für die Peking-Oper zum Opportunisten und vermag Kunst und Leben nicht dauerhaft zu trennen. Regie, Kamera, Musik und Darsteller sind brillant, auch wenn einige Kritiker das Werk für maßlos überschätzt halten. Mit "Verführerischer Mond" (1995) lieferte Chen eine zwar bildgewaltige, aber recht langweilige Chronik über mehrere Personen in der Zeit der ersten chinesischen Republik und zeigt deutliche Parallelen zu Zhang Yimous Film "Shanghai Serenade".

Nach einem Auftritt in Stanley Kwans "Yang & Yin: Gender in Chinese Cinema" (1996) folgte Chen Kaiges Film "Der Kaiser und sein Attentäter": Ein historisches Epos, dass 230 Jahre vor Christus angesiedelt ist und den Wunsch eines Kaiser nach einem vereinten chinesischen Reich schildert. Das Unterfangen war ein riesiger Kraftakt; nicht nur wegen der opulenten Bilder. Chen Kaige war hier Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Darsteller in einer Person. Das Werk war der bis dahin teuerste, unabhängig produzierte chinesische Film.

Weitere Filme von Chen Kaige: "Killing Me Softly" (2001), "Xiaos Weg" (2002), "Wu Ji - Die Reiter der Winde" (2005).


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