Christof Wackernagel

Christof Michael Wackernagel
Geboren: 27.08.1951 in Ulm, Deutschland

Er schickte sich 1977 an ein international renommierter Schauspieler zu werden. Doch er zog es vor, sich politisches Rückgrat zu beweisen, schloss sich der "Rote Armee Fraktion" an, tauchte unter und wurde nur einen Monat nach der Ermordung des Arbeitgeber-Präsidenten Schleier in Amsterdam gestellt und verhaftet: Christof Wackernagel. Doch es war eigentlich kein Wunder, dass er Schauspieler wurde: Sein Vater Peter war Intendant am Ulmer Theater, Seine Mutter ist die Schauspielerin Erika Wackernagel. Als Peter Wackernagel starb, war Christof gerade mal sieben Jahre alt. 1960 zog die Mutter dann mit Christof und seiner Schwester Sabine nach München.

Dort verließ Christof bereits vor dem Abitur das Gymnasium und schlug bereits recht erfolgreich eine schauspielerische Laufbahn ein. Denn Regisseur Johannes Schaaf - Mitbegründer des Neuen Deutschen Films - gab ihm die Hauptrolle in dem Film "Tätowierung". Danach folgten Rollen in "Engelchen" neben Helga Anders und Gila von Weitershausen.

In Stuttgart hielt sich Christof Wackernagel mit Hilfsjobs - etwa in einer Bibeldruckerei - über Wasser, fasste Fuß in der linken Szene, in der er sich immer stärker engagierte. Zwischenzeitlich hatte er immer wieder Engagements in TV und Film. Dann eröffnete er unter dem Namen "Fantasia" eine eigene Druckerei, in der auch Drucksachen für Symphatisanten der Stammheimer RAF-Insassen produziert wurden. Während dieser Zeit drehte Wackernagel eigene Videofilme, etwa "Vietnam ist in der BRD noch nicht zu Ende", filmte 1976 beim Bonner Kanzlerfest und tauchte im Sommer 1977 endgültig in die Illegalität ab. Seit der Entführung und Ermordung von Arbeitgeber-Präsident Hanns-Martin Schleyer im Oktober 1977 stand Wackernagel ebenfalls als "RAF-Terrorist" auf der Fahndungsliste des BKA.

Dann, am 10. November 1977 wurde Wackernagel zusammen mit Gert Schneider nach einem Schusswechsel in Amsterdam, bei dem die beiden Gesuchten und drei Polizisten verletzt wurden, verhaftet und den deutschen Behörden überstellt. Am 5. September 1980 schließlich wurde Wackernagel vom Oberlandesgericht Düsseldorf wegen versuchten Mordes und Mitgliedschaft in der RAF zu 15 Jahren Freiheitsentzug verurteilt.

1983 sagte sich Wackernagel gemeinsam mit seinem Freund Gert Schneider von der RAF los und betätigte sich während der Haft in der Justizvollzugsanstalt Bochum als Schriftsteller. Unter dem Titel "Nadja. Erzählungen und Fragmente" erschien 1984 sein erstes Buch, dem 1986 der Prosaband "Bilder einer Ausstellung" folgte. Im gleichen Jahr gelangte Wackernagel in der Anstalt "Meisenhof", Castrop-Rauxel, in den offenen Strafvollzug. Dies ermöglichte es ihm, ab August 1986 als Regie- und Dramaturgie-Assistent am Bochumer Schauspielhaus zu arbeiten. Der Dank gilt vor allem dem Einsatz des damaligen Intendaten Claus Peymann, der Wackernagel schon 1984 wieder auf die Bühne holen wollte. <p> Wackernagels Weg zurück zu einem "normalen" Leben geriet zum Politikum. Der damalige CDU-Fraktionsführer im NRW-Landtag, Bernhard Worms, forderte Ministerpräsident Rau sogar vehement auf, dem entgegenzutreten. Doch im November 1987 wurde Wackernagel unter Auflagen vorzeitig aus der Haft entlassen. Seither ist er verstärkt als Schauspieler und als Schriftsteller tätig. Regisseur Michael Verhoeven verpflichtete ihn für die Serie "Die schnelle Gerdi" mit Verhoevens Ehefrau Senta Berger in der Hauptrolle. Kleine Rollen in Serien wie "Der Fahnder", "Praxis Bülowbogen", "Der König von Bärenbach" und "Airport".

Größere Beachtung fanden seine Rollen als Terrorist (!) in "Männerpension" (1996), als Schwabe in "Der bewegte Mann" (1994) oder als schwäbischer Professor in "Katrin ist die Beste, oder?". Für den Privat-Sender RTL zog er ab 2001 eine Polizeiuniform an und präsentiert in "Berlin Abschnitt 40" als Polizist Wolfgang Dutke zweifelsohne eine der besten Rollen seiner seltsamen Karriere.

Neben seiner schauspielerischen Tätigkeit ist Wackernagel als Dramaturg (Premiere von "Dantons Tod" in Bochum unter der Regie Leander Haußmanns war am 19. September 1997), Hörspielautor ("Mörsenbrucher Ei", ORB/1990, "Die Wasserräder von Hama", DLF/1995), Schriftsteller (2002 erschien die ironische Reiseerzählung "Ghadafi lässt bitten"), Maler (Hieroglyphen-Zeichnungen in Briefmarkengröße) und Visionär (Ideengeber der "Friedenskarawane") tätig.

Weitere Filme mit Christof Wackernagel: "Funkstreife XY - Ich pfeif' auf mein Leben" (1967), "Engelchen macht weiter - Hoppe, hoppe Reiter", "Al Capone im deutschen Wald" (beide 1969), "Der Bettenstudent oder Was mach' ich mit den Mädchen?" (1970), "Bismarck von hinten oder Wir schliessen nie" (1974), "Die Elixiere des Teufels" (1976), "Achsensprung" (1977), "10 Minuten Berlin" (1989), "Mit den Clowns kamen die Tränen" (TV-Mehrteiler), "Das schreckliche Mädchen" (beide 1990), "Ins Blaue" (1991), "Ein Mann für jede Tonart" (1993), "Einfach nur Liebe", "Tränen eines Siegers" (beide 1994), "Klefischs schwerster Fall" (1995), "Kinder ohne Gnade" (1996), "Schwanger in den Tod", "Blutige Scheidung", "Ein todsicheres Ding" (alle 1997), "Kai Rabe gegen die Vatikankiller", "Schwarzes Blut", "Der Eisbär", "Mein Kind muss leben", "Ich schenk dir meinen Mann", "Der große Bagarozy" (alle 1998), "Nesthocker - Familie zu verschenken" (TV-Serie), "Tatort - Bienzle und die blinde Wut" (beide 1999), "Aeon - Countdown im All", "Tatort - Direkt ins Herz", "Dich schickt der Himmel", "Luftpiraten - 113 Passagiere in Todesangst" (alle 2000), "Lammbock", "Die Reise nach Kafiristan", "Der Zimmerspringbrunnen" (alle 2001), "Die Liebe kommt als Untermieter" (2003), "Mein Bruder ist ein Hund" (2004), "Der Weiße mit dem Schwarzbrot" (2006), "Schleuderprogramm" (2011).

Außerdem hatte er weitere Gastauftritte in Serien wie "Der Kommissar" (1970), "Unsere Hagenbecks" (1992), "Nicht von schlechten Eltern" (1993), "Hallo, Onkel Doc!" (1994), "Balko", "Kurklinik Rosenau" (beide 1995), "Ein Fall für zwei" (1995/98), "Küstenwache" (1997), "Im Namen des Gesetzes", "SOKO 5113" (beide 1998), "Delta Team - Auftrag geheim!", "Schloßhotel Orth" (beide 1999), "Unser Charly", "St. Angela", "Die Biester", "Café Meineid" (alle 2000), "Sternenfänger", "Edel & Starck" und "Im Visier der Zielfahnder" (alle 2001).

Interview mit Christof Wackernagel zum Serienstart von "Abschnitt 40" am 12. September 2002:

prisma: Auffälig an Ihrer jüngeren Filmografie ist, dass Ihre Arbeiten nicht gerade von einem hohen Niveau zeugen. Woran liegt das? Gab es keine besseren Angebote?
Christof Wackernagel (CW): Ich bin von Beruf Schauspieler und ich maße mir nicht an, ein Urteil zu fällen, was machbar ist und was nicht. Für mich gibt es nur Kriterien nach unten: In einem Porno würde ich nicht spielen. Was für mich auch eine Grenze war, obwohl es von der ARD produziert wurde, war ein "Tatort". Darin war ich an einer Vergewaltigung beteiligt. Beim Lesen des Drehbuch hatte ich schon meine Zweifel, dachte dann aber: Na, ja, ein "Tatort" unter der Regie von Hartmut Griesmayr wird schon nicht so schlimm sein. Aber dann war tatsächlich die Regieanweisung: Schenkel auf und Hose runter. Völlig unnötig! Ich dachte, ich versteh' die Welt nicht mehr. Ich drehe bei RTL das anspruchsvollste Ding, was derzeit im Fernsehen läuft, und bin jetzt bei der ARD. Da habe ich schon an meiner Berufswahl gezweifelt. Danach habe ich gesagt, dass ich derlei Dinge nicht mehr machen werde. Oder ein Film, der eine eindeutige rassistische Tendenz hat, käme auch nicht in Frage. Aber ansonsten finde ich es anmaßend Dinge abzuqualifizieren, zumal sich ja viele Leute, diese Form von Unterhaltung anschauen. Ich habe da eher Angst vor jeder Form von Elitärismus, zumal ich diesem auch sehr gefrönt habe und zeitweise gar verachtungsvoll meinte auf andere herunter gucken zu können. Das hatte auf mich eher den Effekt, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen. Ich bin nun mal Schauspieler und als solcher darauf angewiesen, was ich angeboten bekomme. Sie haben mich auch nicht rangelassen und immer nur die kleinen Rollen gegeben. Die waren teilweise natürlich auch gut.

prisma: Sie werten auch einige dieser Serienprodukte durchaus auf!
CW: Danke, das könnte man so vielleicht sehen. Ich werde auf für langweilige Produktionen engagiert, die durch die von mir gespielte Rolle aufleben. Ob nun der Nachbar, der Frösche züchtet. Da kommt sofort Stimmung auf. Für so etwas werde ich dauernd engagiert. Und als solch eine Person bin ich drin in den Besetzungsköpfen.

prisma: Kam da die Rolle des Polizisten Dudtke in "Abschnitt 40" gerade recht?
CW: Ja, natürlich. Wenn es nach mir ginge, würde ich nur so etwas machen. Aber niveauvolle, hohe Kunst ist nun mal nicht kommerziell genug. Deshalb kam "Abschnitt 40" in der Tat gerade recht. Zumal die Situation auch eher die war, dass ich dachte, ich schaffe es jetzt überhaupt nicht mehr wieder in die Nähe des Status Quo Ante zu kommen. Ich hab' Hauptrollen gespielt, ich habe Serien gemacht. Bevor ich verhaftet wurde, ist mir Alan Parker (Regisseur von Filmen wie "Birdy", "The Wall" und "Evita", d.A.) bis in die Illegalität nachgejagt, damit ich die Rolle in "Midnight Express" spiele. Nach dem Knast konnte ich erst mal froh sein, dass ich wieder zu arbeiten hatte. Das war zu Anfang für mich auch recht überraschend, wie leicht ich wieder an Rollen kam. Obwohl ich lange Zeit auch das Gefühl hatte, dass ich doppelt gut, doppelt zuverlässig, doppelt diszipliniert sein muss, um wieder angenommen zu werden. Denn ich hatte auch das Gefühl, dass die mich nicht hoch lassen wollten und keine Chance geben wollten.

prisma: Der Ruf danach, Ihnen keine Chance zu geben, war ja auch tatsächlich da. Wenn man etwa an die Forderungen eines Bernhard Worms denkt.
CW: Ja, damals schon. Aber die Wormser haben zum Glück nicht gewonnen. Die ganzen alten Bekannten haben mich damals wieder engagiert. Michael Verhoeven und so weiter. Aber auch viele Neue. Obwohl da am Anfang auch eine Art Voyeurismus mitspielte. Die wollten einfach mal sehen, wie es mit mir aussieht. So ein bisschen die Rolle des verlorenen Sohns, der nun zurückkehrt. Aber als das Thema abgefrühstückt war, sah ich ganz alt aus. Da war ich gerade mal Ende 30. Und ich glaube 1993 hatte ich gerade mal sieben Drehtage. Und das ist nicht genug zum Leben und zum Sterben, egal was für eine Tagesgage du hast. Und von da ab habe ich kaum Einschränkungen gemacht und alles gespielt: sämtliche Krankenhausserien, sämtliche ich weiß nicht was. Kreuz und quer, bis ich durch war und wirklich jeder mich kannte und wusste, dass man mit dem Wackernagel drehen kann.

prisma: Lief das denn auch noch über Castings?
CW: Nein, das zum Glück nicht. Ich bin bei einer der ältesten Agenturen, bei Ilse Alexander. Und bei ihr zu sein, dass heißt schon was. Bei der bin ich seit 1967 und die Chefin Carla Rehm hat mich auch schon im Knast betreut. Eine tolle Frau! Sie hat mir damals bereits gesagt, wenn ich wieder draußen sei, sei ich auch wieder im Katalog. Das und auch Verhoeven waren natürlich eine große Hilfe. Für "Abschnitt 40" habe ich auch kein Casting gemacht!

prisma: Aber schwingt da nicht etwas Hohn mit, wenn man mit der Vergangenheit als RAF-Aktivist nun in die Rolle eines Polizisten schlüpft?
CW: Höhnisch wäre es vielleicht, wenn ich ein oberflächlicher Typ wäre. Aber das bin ich nun wirklich nicht und ich habe mich mit der Situation was Polizisten betrifft nicht nur theoretisch, sondern auch sehr praktisch auseinander gesetzt. Ich habe ja auch Kontakt mit dem Mann aufgenommen, mit dem ich mich unmittelbar beschossen habe.

prisma: Also mit dem Mann, der Sie damals in Amsterdam verhaftet hat.
CW: Ja, genau. Das ist eine Hammer-Geschichte. Der hat immer verfolgt, was mit mir und Gert Schneider - der war ja auch dabei - passiert ist. Er hat sich die "Stern"- und "Spiegel"-Artikel über uns übersetzen lassen und war immer auf einem relativ aktuellen Stand. Als er dann zufällig einen holländischen Rechtsanwalt von uns traf, hat er den gefragt, ob er etwas für uns tun könne. Und jetzt kommt eine Geschichte, die glaubt kein Mensch! Der Anwalt sagte ihm, dass wir nach unserer Distanzierung von der RAF auf eine vorzeitige Entlassung hoffen. Dann hat der Polizist einen Brief ans Oberlandesgericht Düsseldorf geschrieben. Darin stand: Wenn jemand aus idealistischen Gründen das Gesetz bricht, ist er in dem Moment, in dem der Idealismus weg ist, harmloser als jeder Eierdieb. Und jeder weitere Tag im Gefängnis erzeugt nur Zynismus und Resignation. Das sage ich als Polizist mit 25 Jahren Berufserfahrung. Ich habe die Leute verhaftet, ich bin bleibend verletzt und sage: Lasst sie raus! Das schrieb er so fast wörtlich, das haben wir alles dokumentiert. Jetzt stellen Sie sich meine Situation vor: Da ist erneut ein Weltbild für mich zusammengebrochen - Da wusste ich, dass ich den Mann unbedingt kennen lernen musste. Ich dachte damals, dass das doch nicht sein könne und wusste irgendwie gar nicht, was los war. Wir könnten beide tot sein. Es ging bei der Schießerei vor der Verhaftung auf Leben und Tod. Wir haben mit 9mm-Kugeln von kurzer Entfernung aufeinander geballert. Das muss man sich mal vorstellen. Und dann sitzen wir da plötzlich am Tisch zusammen, essen Pizza, trinken Rotwein und ich merke, dass der Mann von seinen Ansichten her, gar nicht so weit von mir weg ist. Und man fragt sich, wieso haben wir uns eigentlich beinah gegenseitig umgebracht. Und was meinen Sie, wie erleichtert man ist, dass man ihn nicht umgebracht hat. Das war für meine Rolle als Polizist Dudtke natürlich ein enorm wichtiger Hintergrund. Denn spätestens da wusste ich, dass Polizisten "auch nur Menschen sind". Die andere Seite ist eine rein professionelle. Gerade mit dem Hintergrund ist das natürlich eine enorme Herausforderung, als Schauspieler nun so einen Menschen wie den Dudtke darzustellen. Der ist zerrissen von dieser furchtbaren Welt. Er glaubt an seine Prinzipien, liebt seine Tochter usw. Da ist einfach alles drin! Die Rolle ist gigantisch. Zu Beginn waren sich die Macher unschlüssig, ob man so einen Typen überhaupt hinbekommt. Der Drehbuchautor hat mir schließlich eine Mail geschickt, in der er sich ausdrücklich für mein Spiel bedankt, da er nicht wusste, ob die Figur überhaupt funktionieren würde und dass ich sie zu Leben erweckt hätte. Ich will jetzt nicht angeben, aber ich habe die Rolle tatsächlich rein professionell betrachtet. Das ist natürlich das Beste, was einem passieren kann. Und dann stimmte auch noch die ganze Team-Arbeit. Das war toll! Da fällt mir in dem Zusammenhang noch ein weiterer Begriff ein: Das ist für mich Therapie! Andere Leute bezahlen für einen solchen Bewusstseinsprozess, wie ich ihn jetzt bei dieser Arbeit durchmache. Denn ich arbeite extrem an mir selbst, an meinen Vorurteilen. Außerdem entdeckt man dann plötzlich auch Dinge an sich selbst, von deren Existenz man bislang kaum was ahnte. Ich bin auch ein sehr genauer Typ und gar nicht so weit von Wolfgang Dudtke entfernt. Denn jeder hat etwas von Dudtke in sich, und ich habe nun das Glück als Schauspieler, sowas ausleben zu können. Das meine ich mit dem Begriff "Therapie". Das sind die drei Begriff in Bezug auf die Rolle: der persönliche, der professionelle und der therapeutische Aspekt.

prisma: Dann hat sich durch Ihre Rolle auch die Sicht zur Polizei geändert?
CW: Aber total. Wenn ich jetzt mal angehalten werde, achte ich nur darauf, wie der Beamte mit mir spricht, oder wenn ich irgendwo ein Einsatzfahrzeug sehe, habe ich sofort ein Kollegen-Feeling. Das ist total absurd, aber so ist es. Ich möchte dann den Polizisten fast schon erzählen, wie ich meinen Dienst mache. Das ist schon komisch. Aber uns haben ja auch aktive Polizeibeamte bescheinigt, dass wohl noch keine andere Serie so nah an der Realität war wie "Abschnitt 40". Da gab es auch schon mal witzige Begebenheiten am Dreh. Wenn ich da in meiner Uniform stand, haben mich Leute mit "Herr Wachtmeister" angeredet und nach dem Weg gefragt. Oder einmal saß ich im Bully und musste mich auf die wohl wichtigste Szene mental vorbereiten, in der ich den tödlichen Angriff auf den Russen gestehe und mich meiner Kollegin offenbare, da kommt ein Passant und brüllt mich an: "Sie müssen unbedingt einschreiten, da hinten regelt jemand unbefugt den Verkehr". Da hab ich den nur angeraunzt: "Gehen Sie weg. Ich bin im Einsatz!" Ich musste mich ja auf die wichtige Szene vorbereiten. Deshalb bin ich da richtig sauer geworden. Hinten im Auto erstarrte alles, auch Regisseur Udo Witte wurde ganz klein. Ich sagte dem Mann: "Verschwinden Sie sofort! Sie behindern hier einen Einsatz!" Der Typ flippte aus und sagte "Geben Sie mir sofort Ihre Dienstnummer. Ich werde mich über Sie beschweren!" Und ich sagte nur: "Sie gehen weg, sonst lasse ich Sie wegen Behinderung verhaften!" Dann ging er endlich. Und Udo Witte hinten im Wagen war ziemlich blass geworden. (lacht) Da habe ich mal voll den Polizisten raushängen lassen, weil ich den Typen auch so nervig fand. Der da den Verkehr regelte, war natürlich unser Aufnahmeleiter. Anstatt zufrieden zu sein, dass überhaupt jemand den Verkehr regelt, raunzt der Kerl da auch noch rum. Das ist Deutschland! Was geht den das denn überhaupt an und woher will der überhaupt wissen, ob der das unbefugt macht? Dieser Blödmann! Und das, wo ich mich auf die Szene vorbereitet habe, warum ich diese Rolle überhaupt spiele!

prisma: Erhofft man sich denn als Schauspieler von einer solchen Rolle auch einen gewissen Auftrieb?
CW: Allgemein als Schauspieler bestimmt. Mein Problem ist ja, dass ich ein bisschen multi veranlagt bin. Ich muss malen, dann muss ich schreiben und dann habe ich dieses "Karawanen"-Projekt (www.dialog-der-kulturen.de). Das habe ich oft auch als Verzettelung empfunden, bis ich mir schließlich dachte, nein, so bin ich eben. Ich kann das auch alles, ich komme dann nur insgesamt langsamer vorwärts, als wenn ich mich auf nur eine Sache konzentrieren würde. Aber ich will gerade diese Verschiedenheit sich gegenseitig befruchten lassen. Die Schauspielerei beeinflusst mein Schreiben, das Schreiben hilft mir, mich in andere Personen hineinzuversetzten, beim Malen fühle ich mich total entspannt. Meine Bilder sind immer wunderbare, fröhliche Geschichten. Das ist das Positive in mir. Wenn ich Texte schreibe, kommt da nichts fröhliches heraus. Denn da beschreibe ich die Welt und die nun mal nicht so schön. So verteile ich das. Meine Hoffnung bei "Abschnitt 40" ist nun die, dass das zum Dauerbrenner wird und mir ein Leben ermöglicht, in dem ich meiner Verschiedenheit freien Lauf lassen kann. So habe ich jetzt z.B. auch eine Internet-Seite mit dem Titel "wahlverbesserung.de" geschaffen, auf der der Vorschlag unterbreitet wird, auf dem Wahlzettel einen Zusatzkasten "Keine der vorhandenen Parteien" zu schaffen, damit man gezählt "ungültig" wählen kann. Damit demonstriert man dann, dass man nicht gegen das Grundgesetz ist, sondern nur gegen die Parteienlandschaft ist. Wenn dann 15 Prozen dies in Anspruch nähmen, würde doch der Horror in Berlin ausbrechen. Dann wäre doch z.B. "Miles & More" undenkbar. Wie auch immer, so einen Kram mache ich halt. Und meine Hoffnung - um wieder auf die Frage zurückzukommen - ist also die, das ich eine Art Sicherheit habe und wenn interessante andere Rollen dazukommen, mache ich die auch noch und vielleicht auch ein Abschlussfilm, an dem ich nichts verdiene. Denn wenn ein begabter junger Typ, wie etwa meine Nichte Katharina, die ist 19 und dreht Filme, mich fragt, spiele ich da mit. Umsonst, wenn's Spaß macht. Das wäre schön. Das ist die Hoffnung, die ich habe, endlich unabhängig zu sein und nicht alles spielen zu müssen, um einigermaßen leben zu können.

prisma: D.h. aber auch, dass der politische Mensch Christof Wackernagel auf jeden Fall immer noch vorhanden ist, oder?
CW: Ja, na klar. Der bricht immer wieder mal durch, bekommt Ausbrüche von Wut und Verzweiflung, aber auch Hoffnung. Ich versuche es halt immer wieder mal, wie man beispielsweise an der Wahlverbesserungsgeschichte sieht. Oder auch das Projekt mit der Karawane. Eine Riesensache, in der ich versuche, die Kunst und die Politik zusammenzubringen, weil diese Trennung immer schuld daran ist, dass vieles schief geht. 1917 in Zürich in der Spiegelgasse hat Lenin beispielweise zwei Häuser weiter als die Dadaisten um Hans Arp gewohnt und die hatten nichts miteinander zu tun. Beide haben aber auf ihre Weise die Welt verändert. Wieviel besser hätte es aber ausgehen können, wenn sie dies gemeinsam getan hätten? Denn wenn sich je etwas zum Positiven verändern wird, dann nur im Zusammenspiel von Politik und Kultur. Und Kunst ist tatsächlich nur dann Kunst, wenn sie keine Ideologie ist. Denn wenn man sie zu ideologischen Zwecken missbraucht, ist das Ergebnis keine Kunst, sondern eine Botschaft, die du auch in einem Brief formulieren kannst. Aber wenn du Kunst machst, sagst du was über den Menschen, über Widersprüche, über Gefühle usw.

prisma: Aber genau das, ist doch auch politisch!
CW: Ja, und das ist die "Karawanen"-Idee! Künstler aus aller Welt ziehen ein Jahr lang durch die Wüste und machen Projekte. Zusammen! Das Einzige, was verboten ist, ist Politik. Und dadurch wird es zum Politischsten, was es gibt! Das hat bislang keiner kapiert. Deshalb wollen wir das nochmal ganz neu angehen. Und zeigen, dass man dank der Kunst, kulturelle Missverständnisse aus der Welt schaffen kann und dass sich tatsächlich die ganze Welt darüber amüsieren kann. Dass das funktionieren kann, daran glaube ich!

Interview: Stephan Mertens


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