Denzel Washington

Denzel Washington
Geboren: 28.12.1954 in Mount Vernon, New York, USA

In vielerlei Hinsicht hat Denzel Washington heute die Rolle eingenommen, die sein Kollege Sidney Poitier in den Sechzigerjahren hatte: Wo immer im Film ein Schwarzer gebraucht wird, der ausgesprochen kultiviert und aufrichtig wirken soll, wird der Oscar-Preisträger mit tödlicher Sicherheit herangezogen. Kein anderer Schauspieler ist so untrennbar verknüpft mit der Epoche der political correctness im Film.

Denzel Washington studierte Journalismus und Theaterwissenschaft an der Fordham University in der Bronx, absolvierte an der American Conservatory Theater School von San Francisco seine Schauspielausbildung und begann dann mit seiner Theaterarbeit. Seit 1977 war er auch beim Fernsehen aktiv. Er wurde landesweit bekannt durch die Mediziner-TV-Serie "St. Elsewhere" (1982). Sein Kinodebüt fällt ins Jahr 1981. Unter Regisseur Michael Schultz spielte er in "Eine schöne Bescherung". Für Norman Jewison stand er in "Sergeant Waters - Eine Soldatengeschichte" (1984) vor der Kamera. In diesem Film geht es bereits um einen für Washingtons Schaffen typischen Themenkreis: Rassismus. Interessanterweise ist Norman Jewison derselbe Mann, der auch Sidney Poitier mit "In der Hitze der Nacht" (1966) zu einem seiner größten Erfolge geführt hatte.

Um Rassismus ging es auch in Richard Attenboroughs "Schrei nach Freiheit" (1987) mit Kevin Kline, "For Queen & Country" von Martin Stellman, "Mississippi Masala" (1991) von Mira Nair und natürlich den Filmen von Spike Lee, der gern als "Speerspitze des afro-amerikanischen Films" tituliert wird. Denzel Washington spielte unter Lees Regie in dem Jazzfilm "Mo' Better Blues" (1990), der Filmbiographie "Malcolm X" (1991) und den Sportdrama "Spiel des Lebens" (1998). Und auch Boaz Yakins Sportdrama "Gegen jede Regel" (2000) beschäftigt sich mit dem Thema Rassismus.

Denzel Washington hatte großen Erfolg mit der Darstellung ehrlicher und anständiger Menschen jeglicher Couleur: In Jonathan Demmes Aids-Drama "Philadelphia" (1993) spielte er den Anwalt von Tom Hanks; in Tony Scotts "Crimson Tide - In tiefster Gefahr" (1995) verhinderte er, dass Gene Hackman einen Weltkrieg anzettelt; für Penny Marshall becircte er Whitney Houston in dem süßlichen "Rendezvous mit einem Engel" (1996).

Zu den Regisseuren, mit denen er öfter arbeitet, zählt Edward Zwick. "Glory" (1989) zeigte, wie eine Kompanie schwarzer Soldaten im amerikanischen Bürgerkrieg als Kanonenfutter verheizt wurde. Bei der Kritik war der Film äußerst umstritten. Was für Wolf Donner im "tip" nur "ein widerliches, verlogenes Kriegsspektakel" und "eine Mixtur zum Kotzen" ist, bezeichnet der Fischer Film Almanach 1991 als "engagierten Einsatz gegen Rassismus." Auf jeden Fall aber ein widerliches Kriegsspektakel war "Mut zur Wahrheit" (1991). Regisseur Zwick lässt seinen Helden (Washington) den Todesfall von Soldaten im Golfkrieg aufklären. Das Ergebnis ist unverhohlener Patriotismus in Reinkultur: Washington beweist, dass die Army zwar nicht ohne Fehler ist, aber sie hat schließlich den "Mut zur Wahrheit" und ehrt am Ende ihre Helden.

Auch "Ausnahmezustand" (1998) ist von Edward Zwick. Denzel Washington spielt darin einen FBI-Ermittler, der gegen arabische Terroristen vorgeht. Dann rückt die Army in New York ein und veranstaltet eine Hexenjagd nach allem, was arabisch aussieht: wieder ein Film, dessen vorgebliche Aussage am Ende ins Gegenteil umschlägt. Alle political correctness verhindert nicht, dass Gräben vertieft werden. Denzel Washington spielte auch in einigen Krimis mit, in Sidney Lumets Polit-Thriller "Power - Weg zur Macht" (1985) mit Richard Gere, in Alan J. Pakulas Grisham-Verfilmung "Die Akte" (1993) mit Julia Roberts, in Carl Franklins Neo-Noir "Teufel in Blau" (1994) und in der blödsinnigen, sich aber immerhin antirassistisch gebenden Krimi-Komödie "Der Chaoten-Cop" (1989) von James D. Parriott.

Auch sonst ist Denzel Washington vielseitig: In der Shakespeare-Adaption "Viel Lärm um nichts" (1993) von Kenneth Branagh sah man ihn ganz klassisch, in dem Sciencefiction-Film "Virtuosity" (1995) dagegen futuristisch. Weitere Filme mit Denzel Washington sind: "Outside Man" (1986), "Mord in der Karibik" (1989), "Ricochet - Der Aufprall" (1991), "Bishop's Wife" (1996), der Horror-Murks "Dämon" (1998), "Der Knochenjäger" (1999), der Thriller "Training Day" (2001), das Drama "John Q." (2002) und der stark inszenierte Actionfilm "Mann unter Feuer" (2004).

Für seine verlässlichen Leistungen auch in fragwürdigen Filmen wurde Denzel Washington oft ausgezeichnet. Für "Glory" gewann er einen Oscar und einen Golden Globe als bester Nebendarsteller, für "Schrei nach Freiheit" war er damals bereits für die Trophäe nominiert gewesen; "Malcolm X" brachte ihm den Silbernen Bären der Berlinale und eine weitere Oscar-Nominierung ein. Den Golden Globe und den Silbernen Bären als bester Darsteller in Berlin erhielt Washington 2000 für seine brillante Leistung als des Mordes angeklagter Boxer Rubin "Hurricane" Carter in Norman Jewisons "Hurricane" (1999), die Verfilmung einer wahren Geschichte. Den Oscar erhielt er allerdings erst 2002 für seine überzeugende Leistung als mieser Bösewicht in dem oben bereits erwähnten "Training Day". Ebenfalls 2002 entstand seine erste Regiearbeit "Antwone Fisher", 2003 spielte er in Carl Franklins Thriller "Out of Time - Sein Gegner ist die Zeit" einen Polizeichef im tiefsten Florida, der in eine unerhörte Affäre verstrickt wird, und 2004 sah man ihn in "Der Manchurian Kandidat" (2004), 2006 folgten der aufregende Thriller "Inside Man" (2006) und das ein wenig unlogische Scifi-Spektakel "Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit". Nicht sehr überzeugend war auch "American Gangster" (2007), gut gespielt und packend inszeniert dagegen "Die Entführung der U-Bahn Pelham 123" (2009), während er in dem Endzeit-Spektakel "The Book of Eli" (ebenfalls 2009) den Titel gebenden Hauptdarsteller verkörperte.

Weitere Filme mit Denzel Washington: "Unstoppable - Außer Kontrolle" (2010), "Safe House", "Flight" (beide 2012), "2 Guns" (2013).


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